Autor:
Heinrich Mann wurde am 27. März 1871 in Lübeck geboren. Mit 14 Jahren begann er zu schreiben. Mann erlebte eine starke Prägung durch seinen sehr leistungsorientierten und protestantischen Vater. Dennoch brach er seine Ausbildungen in Dresden und Berlin ab. Er macht eine Lehre als Buchhändler in Dresden und wird Volontär im S. Fischer Verlag Berlin. Nebenbei studiert er an der Friedrich-Willhelms-Universität Berlin. In mehrere Reisen nach Frankreich und Italien entstehen 2 epische Geschichtssammlungen („Das Wunderbare“, ‚das Verbrechen“), sowie sein erster karikaturistischer Entwurf der wilhelminischen Gesellschaft (Roman: "Im Schlaraffenland", 1900). Er bezieht 2 Wohnungen in München und Berlin und heiratet die Prager Schauspielerin Maria Kanova. 1931 wird Mann zum Präsidenten der preuß.Dichterakademie berufen, er schreibt viele Essays und programmatische Reden. Sein Ziel: europäische Dimension von Politik und Demokratie, kulturelle Einheit der durch Krieg verfeindeten Völker. 1932 unterzeichnet er gemeinsam mit Käthe Kollwitz und Albert Einstein Aufrufe zur Aktionseinhait von KPD und SPD gegen die Nationalsozialisten. Nach einer drohenden Verhaftung emigriert er nach Nizza. Er bezieht einige Ehrenämter in Org. der Exilschriftsteller und betreibt sogenannte intellektuelle Ideenpolitik. In einer Fülle von Artikeln, Reden und Essays beschreibt er den Verfall des Feudalismus, politische Visionen und Kämpfe, Moral mit Skepsis, Humor und Altersweisheit. Dennoch flüchtet er in die USA wo er einen einjähriger Arbeitsvertrag im Studio Warner Bros. erhält. Nach Abfassung von Drehbuchentwürfen wegen materieller Not und persönlichen Katastrophen schreibt er sein Memorienwerk "Ein Zeitalter wird besichtigt" (1945, Stockholm) Heinrich Mann Stirbt am 12. März 1950 in Kalifornien kurz nach dem er die Präsidentschaft der neu gegründeten Akademie der Künste übernimmt. Heinrich Mann’s Stil war geprägt vom Fin de siecle, Tendenzen zum Konservatismus.

Weitere Werke:
Romane

  • "Professor Unrat oder Das Ende Eines Tyrannen" (1905)    
  • "Die kleine Stadt" (1909)
  • "Der Untertan" (1914, "Zeit im Bild; Moderne illustrierte
  • Wochenschrift", Münchner Zeitschrift)
Dramen
  • "Die große Liebe" (1912)
  • "Madame Legros" (1913)
  • Novellen/Essays
  • "Macht und Menschen" (1919)
  • "Das öffentliche Leben" (1932)
Inhalt: 
Diederich Heßling ist der einzige Sohn, eines Papierfabrikanten in Netzig (Provinzstadt). In der Schule schon versucht er sich seine Stellung zu sichern indem er hinterhältig seine Mitschüler gegen die Lehrer ausspielt. Nach seiner Schulzeit geht er nach Berlin um Chemie zu studieren. Dort lernt er die Familie Göppel kennen, Bekannte seines Vaters. Diederich verunsichert durch das fremde Umfeld führt sich geradezu tölpelhaft auf. Das Studium bringt ihn zu der Studentenverbindung ‚Neuteutonia‘, dort lernt er den Begriff: Kameradschaft leben. Heßling wird zum fanatischen Anhänger des jungen Kaiser Wilhelm, dem er bei einer großen Demonstration der Arbeiter für mehr Rechte sogar persönlich gegenüber stehen kann. Nach seinem verkürztem Millitärdienst, den er wegen eines ‚Fußleidens‘ quitiern muß, kommt es zu einem kleinen Intermezzo mit Agnes, der Tochter des Zellulosefabrikanten Göppel. Es scheint als ob Diederich sich gewandelt hat, doch die Situation zwingt ihn sich für oder gegen eine Heirat mit seiner Geliebten zu entscheiden.
 
Am Ende serviert er sie eiskalt ab, mit der Begründung sie habe eine zu kleine Mitgift. Als ein Doktor der Chemie verläßt er Berlin, um in Netzig die Fabrik seines Vaters zu übernehmen. Dort spielt er sich als aufgeblasener Geschäftsmann auf, fordert deutsche Zucht und Sitte und droht gegen sozialistisches Gedankengut seiner Arbeiter vorzugehen. Seine Mutter und zwei Schwestern Emmi und Magda behandelt er nicht sehr respektvoll, obwohl klar ist das er sie liebt. Guste Daimchen erweckt schon bald sein Interesse, sie hatte geerbt und wirkt nicht unattraktiv auf Diederich. Obwohl sie mit seinem Jugendfreund Wolfgang Buck verlobt ist, stellt er ihr heftig nach. Sötbier, den alten Buchhalter seines Vaters, sieht er als schon penisoniert und bezieht ihn nur mehr oberflächlich in die Geschäfte mit ein. Napoleon Fischer, sein Maschinenmeister und aktiver Sozialdemokrat, wird von Diederich anfangs als sehr gefährlich eingestuft. Und trotzdem läßt sich Diederich auf eine kleine Vertuschungsangelegenheit mit Fischer ein. Heßling erkennt auch, daß er sich um Beziehungen mit den großen Männern Netzigs kümmern muß und richtet sich seine Überzeugung immer nach dem Gegenüber. Der alte Buck ist der erste den er besucht, er weiß wie gut der Alte auf seine Vater zu sprechen war und nützt dies aus um sein Vorhaben die Vergrößerung seiner Fabrik zu sichern. Noch am selben Tag lernt er Bürgermeister Scheffelweis, Assessor der Staatsanwaltschaft Jadassohn und Pastor Zillich kennen, alle drei sind ebenfalls überzeugt vom Kaiser. Da kommt es zu einem Zwischenfall vor dem Regierungsgebäude.
 
Ein junger Arbeiter wird von einem Wachposten niedergeschossen. Sofort bilden sich zwei Lager, Diederich und seinen Kameraden die den Mord für gerechtfertigt halten und Männern die schon bekannt für ihre sozialistische Gesinnung waren. In einem Ratskeller treffen sich die zwei Seiten wieder und es kommt wiederum zur offenen Auseinandersetzungen. Die Situation erreicht seinen Höhepunkt als Heßling den angesehenen Herrn Lauer, einen Sozialisten, so sehr provoziert, daß dieser Majestätsbeleidigung begeht. Es kommt zum Prozeß und Herr Lauer wird zu 6 Monaten Haft verurteilt. Ganz Netzig ist im Vorfeld für Lauer, Diederich wird nicht zu unrecht für alles verantwortlich gemacht und bekommt deshalb massive Verachtung und Demütigung zu spüren. Doch das Blatt wendet sich und Heßling steht am Ende trotzt Verurteilung Lauers wieder gut da. Heßling wird zusammen mit Fischer Stadtverordneter ohne dessen Hilfe er nicht gewählt worden wäre. Fast gleichzeitig löst sich die Verlobung Gustes mit Wolfgang Buck, weil das Gerücht um geht die beiden seien Halbgeschwister. Diederich und Guste heiraten glücklich. Der Präsident Wulckow trifft mit Heßling eine Abmachung. Wonach Heßling sein Fabriksgrundstück verkauft, um ein Kaiser Wilhelm-Denkmal bauen zu lassen. Dafür wird er Generaldirektor und Besitzer der Gausenfelder Papierfabrik.
Am Ender erhält er den Wilhelm-Orden und darf das Denkmal einweihen.

Charaktere:
Der alte Buck:

Das inoffizielle Oberhaupt der Stadt, genießt allgemeinen Respekt (48er Revolution), aber seine Macht ist längst nicht mehr so groß, er ist ein liberaler Sozialdemokrat. Er ist der einzige dem Diederich etwas vorspielt oder vorspielen kann. Er hat vor ihm mehr Respekt als er es zu gibt.

Agnes Göppel:

Diederichs erste Liebe, sie ist kränklich und schwach so auch ihre Erscheinung. Sie unterwirft sich D. und ist die erste an der er Macht ausübt. Er läßt sie eiskalt fallen als sie ihn trotz kleiner Mitgift heiraten will, auf ihr darauf folgende schwere psychosomatische Erkrankung reagiert er nur mit Gringschätzung.

Guste Daimchen:

Die 2. Frau in Heßlings Leben, sie ist im Gegensatz zu Agnes sehr stark, selbstbewußt und reich. Bevor sie Diederich heiratet ist sie mit dem Sohn des alten Bucks Wolfgang verlobt.

Napoleon Fischer:

aktiver Sozialdemokrat und Maschinenmeister Heßlings, er stellt den Umsturz dar. Schon vom ersten Augenblick hat Heßling angsterfüllten Respekt vor Fischer, der ihn sogar erpreßt, um sozialistische Ziele zu erreichen.

Diederich Heßling:
(ursprl. Hänfling) Protagonist. Erziehung erfolgte auf zwei verschiedene Arten. Seine Mutter ließ ihn Realitätsverloren in einer Märchenwelt, wobei ihn sein Vater mit Schlägen disziplinierte. Er hatte zuerst Angst vor der Schule, doch dann behauptet er sich und wird zum Spitzel der Lehrer.
Heraus kommt ein Mann, der machthungrig Schwächere übergeht, immer seinen eigenen (materiellen) Vorteil sucht, so fanatisch einen Kaiser verehrt, daß er glaubt dieser selbst zu sein und einer der Frauen nur als Wesen minderen Wertes ansieht. Auch wenn ihm sein Redetalent zugute kommt, erreicht oder schafft eigentlich nichts ohne der erschlichenen Hilfe anderer. Und doch wird diese Art des durchs Lebenkommens von der Gesellschaft nicht hinter fragt, zumindest so lange sie selber davon nicht zu schaden kommt. Genauso nämlich kommt Diederich an die Stelle des Stadtverordneten. Er hat keine konkreten Ideen wie er die Stadt dem Fortschritt nahebringen kann, das einzige womit er sich immer zu brüstet sind seine Ideale, Überzeugung und seine Kaisertreue. Somit ist er nicht weiter eine Gefahr für die wirkliche Macht sondern vielleicht sogar nur eine Marionette, die nicht mehr nach Idealismus strebt.

Thematik:
Der Roman beschäftigt sich mit dem Begriff Macht, wer sie wie, wo, wann, an wem ausüben darf. „Die Macht“ ist für Diederich das Allerhöchste, ihm genügt es schon an den Stiefeln der Macht zu lecken. Schon als Junge empfand er es als Genugtuung, die Aufmerksamkeit des Vaters auf sich zu lenken und dann Prügel zu beziehen. Die ausgeübte Macht und Macht die man selber erfährt, daß waren die zwei Seiten an ihm, der Tyrann und der Untertan. In der Familie (Geldverdiener vs. Geliebter Sohn), der Liebe (Befehlsgewalt über ein niederes Wesen vs. Leidenschaftlicher Hingabe), der Politik (skrupelloser Arbeitgeber vs. machtleckender Untertan). Er selber wiederrum mußte sich, jedoch nur vor der aller höchsten Macht, der Gottes Macht zu verantworten, bei allem was er Tat. Sein Moralverständins und auch sein Gewissen wurden durch diese Macht geformt, es stand außer Frage, daß auch seine Schandtaten von der Macht vorherbestimmt waren. Er mußt somit auch keine Schuld eingestehen vor keinem, außer Gott.

Persönlich Meinung:
Der Untertan ist ein in Prosa geschriebener Roman in ‚leicht‘ verständlichem Deutsch, also eigentlich relativ leicht zu lesen. Zum Inhalt kann ich nur sagen es hat sich für mich ausgezahlt dieses Buch zu lesen. Es wäre empfehlen, daß man sich einen geschichtlichen Überblick über Deutschland im 19. Jh. Macht sonst kann es zu Verwirrungen kommen. ‚Der Untertan‘ hat mir recht gut nahe gebracht wie ein bestimmter Menschenschlag seine Taten und sogar seine Gedanken rechtfertigt. Ich könnte mit den neuen Aspekten die mir das Buch eröffnet hat eine 30-seitige Abhandlung über ‚Untertanen, Machtschleicher, Tyrannen Diktatoren und wie gehen sie mit Macht um‘ abfassen. Im Gesamten kann ich diese Buch von Friedrich Mann, daß zu angeblich zu seinen Besten gehört, nur weiter empfehlen.

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