Johann Wolfgang von Goethe wurde 1749 in Frankfurt am Main geboren. Er war nicht nur ein deutscher Dichter, sondern forschte und publizierte auch auf verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten.
Goethe war ein Vorreiter und der wichtigste Vertreter des Sturm und Drang. Sein Roman „Die Leiden des jungen Werther“ machte ihn 1774 in ganz Europa berühmt. Er wurde ab den 1790er Jahren, gemeinsam mit Friedrich Schiller und im Austausch mit diesem, zum wichtigsten Vertreter der Weimarer Klassik.
1807 bis 1809 schrieb er an den Wahlverwandtschaften und 1770 machte er eine Wallfahrt auf den Ottilienberg, benannt nach der elsässischen Heiligen, die er als Vorbild des Namen Ottiliens nahm. Er starb 1832 in Weimar.
 
Personen:
Charlotte:
ist Eduards Ehefrau. Sie hat eine leibliche Tochter aus ihrer vorherigen Ehe und eine Pflegetochter, Ottilie. Sie ist eine dem Leben und der Welt zugewandte und allen Verhältnissen gewachsene Natur. Ihr Gefühl und Verstand sind ausgeglichen
 
Eduard:
ist Charlottes Ehemann. Er ist ein Mensch, der sich von seiner Leidenschaft leiten lässt.
 
Ottilie:
ist Charlottes Pflegetochter und wohnt in einer Pension. Sie ist sehr zurückhaltend und ruhig, dafür aber aufmerksam. Sie wird als Schönheit beschrieben und erhält einige Zuneigung. Am Hof kann sie sich schnell einleben und wird von allen gemocht.
 
Hauptmann:
ist ein guter Freund Eduards und wird geschäftslos. Eduard beschließt, ihn für einige Zeit bei sich aufzunehmen. Er ist eine sehr ruhige, selbstständige Natur.
 
Buch I:
Eduard und Charlotte leben nach einer langen Trennung verheiratet und in Ruhe zusammen bis Eduard seinen guten Freund, den Hauptmann, zu sich nehmen möchte, da dieser geschäftslos geworden ist. Nach anfänglichem Zögern willigt Charlotte schließlich ein und nimmt später ihre Pflegetochter Ottilie bei sich auf, die bisher in einer Pension wohnte. Eduard wirft gleich ein Auge auf ihre wunderschöne Gestalt und Charlotte versteht sich mit dem Hauptmann immer besser.
 
Nach einer Bootsfahrt, die Charlotte und der Hauptmann gemeinsam unternehmen, küsst sie der Hauptmann und Charlotte kommt endlich zur Besinnung. Sie möchte Eduard darauf ansprechen, dass sie sich immer weiter verfremden und sich zu Ottilie beziehungsweise dem Hauptmann hingezogen fühlen. Aber da Eduard von Ottilie erfährt, dass sie beide die gleichen Gefühle füreinander empfinden, lässt ihn Charlottes Aussage kalt. Stattdessen denkt er über die Scheidung nach. Nachdem der Hauptmann ihren Hof wieder verlässt, schickt Charlotte Ottilie weg, damit alles zum Alten wird. Aber anstatt Ottilie, die weg soll, verschwindet Eduard und kurze Zeit später merkt Charlotte, dass sie schwanger ist.
 
Buch II:
Ottilie und Charlotte sind geschockt, als sie erfahren, dass Eduard im Krieg ist und kurz darauf gebärt Charlotte auch schon ihr Kind, von dem niemand leugnet, dass es aussieht wie der Hauptmann.

Nachdem Eduard seinen Kriegsdienst beendet hat, verkündet er seinem treu gebliebenen Freund dem Hauptmann, dass er während des Krieges nachgedacht hat und keine Gefühle mehr für Charlotte empfindet sondern nur für Ottilie. Der Hauptmann soll Charlotte einen Antrag machen, damit er frei für Ottilie wird. Eduard trifft sich mit Ottilie um um sie zu werben, in einem unbeobachteten Augenblick fällt Charlottes kleiner Sohn, der in Ottilies Obhut war, ins Wasser und ertrinkt. Ottilie wird von starken Schuldgefühlen geplagt und möchte deswegen vollkommen Eduard und allen Genüssen entsagen.
Als Eduard zurück auf den Hof kommt, ist die Lage sehr schwierig. Am Vorabend seines Geburtstages stirbt Ottilie, da sie in der letzten Zeit immer schwächer geworden ist. Eduard ist zu tiefst erschüttert und bald später findet man ihn tot bei Ottiliens alten Sachen. Die beiden werden nebeneinander begraben und sind im Himmel wieder vereint.
 
Über das Werk und Interpretation:
„Die Wahlverwandtschaften“ ist ein eher untypischer Roman Goethes und wird als sein bester und gleichzeitig rätselhaftester bezeichnet. Im Roman gibt es keine Zufälle und keine Überraschungen, das Verhängnis vollzieht sich in unscheinbaren Übergängen und auf einmal ist das Ungeheure da, wie zum Beispiel der Tod des Kindes. In Goethes Werk spielen nicht die Personen selbst die größte Rolle, sondern ihre Beziehungen.
 
„Wahlverwandtschaft“ ist ein Ausdruck der Chemie, der damit den Trieb bestimmter Stoffe bezeichnet, sich miteinander zu verbinden und sich abzustoßen. Goethe verwendet diesen Ausdruck für Auch Menschen den Naturgesetzen unterworfen sind.menschliche Anziehungen und Abstoßungen wie folgt: Eduard und Ottilie, die gefühlhaften Menschen und Charlotte und der Hauptmann, die besonnenen Naturen, ziehen einander an, sodass die Ehe Charlottes und Eduards in die Brüche geht.
Goethe ist es, der diese abgeschlossene Welt der Wahlverwandtschaften konstruiert, sozusagen die Laborbedingungen simuliert. Er ist es, der die Figuren zusammenführt und die dabei frei werdenden leidenschaftlichen Energien beobachtet bis zur letzten, tödlichen Konsequenz.

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