Inhaltsverzeichnis:
  1. Zum Autor
  2. Werke
  3. Andorra
  4. Biedermann und die Brandstifter
  5. Homo Faber
  6. Faber und sein Amerikanisches Weltbild
  7. Die Rolle der Frau
  8. Don Juan oder die Liebe zur Geometrie
  9. Mein Name sei Gantenbein
  10. Quellenverzeichnis
1. Zum Autor
Max Frisch wurde am 15.05.1911 in Zürich geboren. Nach dem Abschluss des dortigen Realgymnasiums 1930 begann er 1931 an der Züricher Universität Germanistik zu studieren. Das Studium brach er 1933 jedoch ab, da er durch den Tod seines Vaters in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. So widmete Frisch sich fürs erste dem Journalismus und schrieb für „Die neue Zürcher Zeitung“. Nebenbei schrieb er erste Reiseberichte und verfasste sogar seinen ersten Roman. Wachsende Selbstzweifel und und eine daraus resultierende Bewusstseinskrise führten dazu, dass er alles von sich Geschriebene verbrannte. Fortan vermied er jegliche schriftstellerische Tätigkeit.

1936 entschloss Frisch sich zum Beginn eines Architekturstudiums. Ein Freund von ihm unterstützte ihn dabei finanziell. Als er von 1939 bis 1945 seinen Militärdienst leisten musste, führte ihn unter anderem dieser Dienst, unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges, zur Schriftstellerei zurück. Noch während seines Militärdienstes beendet er 1941 sein Studium mit dem Erwerb des Diploms. 1942 heiratet er Constanze von Meyenburg und eröffnet im gleichen Jahr nach Gewinn eines Architekturwettbewerbes ein Architekturbüro. Frisch führte während dieser Zeit einen Doppelberuf als Architekt und Schriftsteller aus.
In den darauffolgenden Jahren unternahm Frisch sehr viele Reisen in das Nachkriegseuropa.
Seine Begegnung mit Brecht und seinen Ideen vom „epischen Theater“ am Genfer See 1948 prägte Frisch zunehmend.

1951 ermöglichte ihm ein Rockefeller-Stipendium einen Aufenthalt in den USA, dessen neue Erfahrungen sich u.a. in Frischs „Homo faber“ niederschlugen.
1954 war Frisch auf dem literarischen Markt so etabliert, dass er sein Architekturbüro aufgab und sich nur noch der Schriftstellerei widmete. Zu seiner beruflichen Veränderung kam auch ein privater Wandel hinzu. Er trennte sich von seiner Frau Constanze und wechselte fortan häufig seinen Wohnsitz.
1958 wurde sein Stück „Biedermann und die Brandstifter“ in Zürich uraufgeführt. 1968 heiratete Frisch erneut. Seine Ehe mit Marianne Öllers wurde jedoch 1978 getrennt. In den 80’er Jahren engagierte sich Frisch zunehmend politisch und hielt häufig Vorträge auf sozialdemokratischen Parteitagen. Seine neuen Dramen verloren immer mehr an Popularität. Zu verworren waren die Verstrickungen seiner Figuren in ihrer undurch- sichtigen Umwelt. Teilweise waren die Vorlagen für diese Dramen einfach nicht spielbar.
Am 4. April 1991 starb Frisch in Zürich.

2. Werke
Tagebuchberichte

Romane

Dramen

3. Andorra
Inhalt
In einem imaginären Kleinstaat Andorra, leben die Einwohner in Vorurteilen voneinander getrennt als „Schwarze“ und als „Weiße“. Der junge Andri wächst nun im weißen Andorra auf. Auf Grund des Gerüchts, sein Pflegevater, der Lehrer, habe ihn als Judenkind vor dem Zugriff der „Schwarzen“ gerettet und aufgezogen, wird ihm das Schandmahl des Andersartigen aufgeprägt. Die „Weißen“ haben nun einerseits die Angriffe auf die Juden seitens der „Schwarzen“ geächtet und als Andri klein war ihn liebevoll behandelt, andererseits demaskieren sie ihre heuchlerische Mildtätigkeit nun, da sie Andri in ein für Juden bestimmtes Klischeeverhalten hineindrängen wollen. Sie wollen gar nicht in ihm einen Menschen erkennen, sondern sehen in ihm nur einen Juden, der er nun gar nicht ist. Der Tischlermeister meint er sei als Tischler untragbar, da ja jeder wisse, dass Juden nur für das Geschäftliche, nicht aber für ein Handwerk taugen.

Der Tischler verlangt nun einen hohen Betrag für die Ausbildung Andris zum Tischler, da er meint er tauge nichts als Handwerker. Andri erweist sich zwar als sehr geschickt, doch der Tischler testet den fertigen Stuhl des Gesellen, dieser zerbricht, Geselle und Tischler behaupten nun der Stuhl sei von Andri. Der Soldat misshandelt ihn – der Arzt beleidigt ihn aus bornierter Eitelkeit. Der Pater hält ihn vor „er solle sich selber helfen“, vermag ihm aber nicht zu helfen, da auch er sich an ein falsches Bild hält. Von einer Mauer des Vorurteils umgeben, klammert sich Andri an seine Liebe zu Barblin, der ehelichen Tochter seines Pflegevaters. Er will mit ihr, um seinen Quälgeistern zu entkommen, sobald er Geld genug hat, fliehen. Als ihm die Hand des Mädchens verweigert wird – da sie ja in Wirklichkeit seine Halbschwester ist – ,bildet Andri eben jene Eigenschaften aus, die seine Umgebung ihm unablässig einzuhämmern versucht. Der Wahn seiner Umwelt wird zum Wunschbild seiner Existenz: „Ich will anders sein.“ Das Verhängnis nimmt nun seinen Lauf.

Andris Mutter, eine „Schwarze“, kommt nun in das Dorf Andris. Da Gerüchte umgehen, es solle Krieg geben zwischen den „Schwarzen“, und den „Weißen“, spielt sich der Soldat auf – die hübsche Frau soll eine Spionin sein.
Als Andris Mutter ihn zu seinem Vater führt, erkennt sie seinen Vater, und verlangt von ihm Rechenschaft, warum er dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat.
Nun kommt die Feigheit des Vaters zum Vorschein, die Mutter versucht nun Andri verzweifelt zu erklären, dass Barblin seine Halbschwester ist. Sie schenkt ihm ihren Ring, damit er eine Existenz hätte.
Auf dem Rückweg, wird sie mit einem Stein erschlagen. Wer der Mörder ist, bleibt unklar. Die „Schwarzen“ versuchen natürlich den Mord an der Frau zu klären – dass ein Jude in dem Dorf ist, ist natürlich sehr angenehm.

Der Vater versucht nun verzweifelt den Menschen klarzumachen, dass Andri sein leibhaftiger Sohn ist. Doch es ist bereits zu spät – selbst wenn sie ihm glauben – sie benötigen einen Schuldigen, und sie wollen lieber den unbeliebten Andri, als den tatsächlichen Mörder preisgeben. Die „Schwarzen“ veranstalten nun eine „Judenschau“: Ein eigener „Judenschauer“ soll den Schuldigen erkennen. Andri, der nun die Rolle in der er hineingedrängt wurde, angenommen hat, wird „erkannt“ und erschossen. Sein Vater, sich seiner Schuld bewusst, erhängt sich. Seine Schwester, übrigens die Einzige die wenn auch schwach, Widerstand leistete, kann den psychischen Druck nicht verarbeiten und wird geisteskrank. Mit irrer Gebärde weißelt sie die Stadt, als Mahnmal erinnert sie so an die Grausamkeit, Feigheit und Verlogenheit der Dorfbewohner.


Charakterisierung
Die Andorraner
Die Andorraner sind die tatsächlichen Akteure, Andris Aktion ist Reaktion im eigentlichen Sinne des Wortes. Das strukturelle Grundmerkmal der schicksalhaften Begegnung ist geprägt von dieser Aktion und Reaktion, wobei bezeichnenderweise die Aktionen der Andorraner nach dem Mord und der Machtübernahme durch die Schwarzen kaum noch auszumachen sind.
Das Tun der Andorraner ist nicht also Handeln im eigentlichen Sinn, sondern Denken, Sagen, Geisteshaltung. Deshalb kann man den Andorranern auch direkt nichts vorwerfen, lässt man einmal streng moralische Kategorien außer acht. Die Andorraner verfallen also dem Klischeedenken, indem sie die Züge des „Judas“ erkennen wollen.

Andri
Andri ist der Pflegesohn des Lehrers Can. Andri ist aber in Wirklichkeit der leibliche Sohn Cans und der Senora, einer Schwarzen von drüben, was aber niemand weiß, auch Andri nicht. So sehen die Andorraner in ihm den typischen Juden und behandeln ihn nach diesem vorgefassten Bild. Unter dem Zwang, der an ihn herangetretene Vorurteile übernimmt Andri nach und nach dieses Bild des Juden und sieht sich schließlich in seinem Anderssein bestätigt. Von dieser aufgezwungenen Identität rückt er auch nicht mehr ab, als ihm nach einem Besuch der Senora seine wahre Herkunft mitgeteilt wird.
 
Lehrer
Neben Andri ist er die wichtigste Person.
Zwischen dem Lehrer und den Andorranern gibt es Spannungen; er hasst sie ( weil sie falsch sind) und diese behandeln ihn schlecht ( weil er aggressiv ist und trinkt).
Er ist oft betrunken–weist daraufhin, dass er Probleme hat–traut sich die Wahrheit nicht zu sagen. Der Lehrer erscheint mit seinem Verhalten als Choleriker. Nach außen tritt er furchtlos, hart und grob auf, ohne auf sein Ansehen Wert zu legen. Er erscheint aber gleichzeitig schwach und feigegegenüber seiner Familie und den Andorranern. Er ist außerdem wahrscheinlich ein Alkoholiker.
Nach Andris Tod erhängt sich der Lehrer wegen seinen Schuldgefühlen in seinem Schulzimmer.

Barblin
Außer Andri ist sie die einzige Person, die mit Namen genannt wird. Sie stellt damit keinen Gesellschaftstyp dar (wie der Wirt oder Tischler), sondern eine ganz bestimmte Person. Der Soldat belästigt sie. Barblin sagt zwar, sie sei verlobt, traut sich aber nicht Andri zu nennen. Sie wirkt durch diese Annäherung irritiert.

Soldat
Er gehört in den öffentlichen gesellschaftlichen Bereich. Genau wie die anderen Personen stellt er mit seinem Typ ein Gruppe dar; nämlich die der andorranischen Armee. Er vertritt die Arme und alle Leute, die feige, prahlerisch und brutal sind, die auf eignes Denken verzichten, alles nachplappern und sich jeder führenden Macht bedenkenlos zur Verfügung stellt.
An der Zeugenschranke erklärt der in zivil gekleidete Soldat ja nur seine Pflicht getan zu haben. Er bestätigt, Andri nicht gemocht zu haben. Er hat aber die Macht der Gruppe- Armee- dazu gebraucht, Andri zu vernichten

Tischler
Er scheint ein reicher Mann zu sein; Handwerker mit alter Tradition.
Er bringt mit die meisten Vorurteile. Er presst Andri am deutlichsten in die Rolle des Juden und beeinflusst seine Entwicklung am negativsten.
Er verhält sich genauso geldgierig , wie er es den Juden unterstellt ,
 
Der Tischler findet es nicht gut, dass ein Jude Tischler werden will; er hat es nicht im Blut.
Er vertritt alle die, die geschäftstüchtig und durch Vorurteile befangen sind. Gibt sich großzügig, meint es angeblich gut, doch feilscht er, als es um Andris Bezahlung geht , -will aus der jüdischen Geschäftstüchtigkeit selbst Profit ziehen.
Außerdem lehnt er berechtigte Reklamation seiner Kundschaft ab.
und geldgierig ist er auch noch, denn er verlangt überhöhtes Lehrgeld, um sich die Ausbildung eines Juden gut bezahlen zu lassen.

Wirt
Der Wirt gibt vor nichts gegen Juden und gegen Andri zu haben; hält Andri für eine „regelrechte Ausnahme“. Andri verhält sich nicht so negativ, wie es Juden seiner Meinung nach tun, sonst hätte er Andri ja auch nicht als Küchenjunge eingestellt. Doch der Wirt hat allerdings was gegen Juden, weil Andri doch nur eingestellt wurde, weil er eine Ausnahme sei .
Er bestätigt zwar, dass das Lehrgeld Wucher ist, – er zeigt sich verständnisvoll. “ Aber wenn’s um Geld geht verhalten sich die Andorraner wie der Jude“. Und genau nach diesem Vorurteil verhält sich auch der Wirt: Er nutzt nämlich die Geldnot des Lehrers aus, um ihn sein Land weit unter Preis abzukaufen. er nutzt die Notlage gewinnbringend für sich aus.
 
Den Stein hat er aber bestimmt nicht aus Hass auf die Schwarzen geworfen. Er hat der Senora als eifriger Geschäftsmann Unterkunft gewährt. Mit dem Steinwurf möchte er den fremdenfeindlichen Andorranern beweisen, dass er trotzdem hinter ihnen steht. Er legt Wert auf das Gastrecht und zeigt sich pflichtbewusst , doch er hat es nur auf das Geld der Senora abgesehen. Gemütlich möchte er wirken; doch doch den Steinwurf zeigt er sich tatsächlich gewalttätig.
Er vertritt alle , die sich jeder Situation anpassen, um an seinen Profit zu kommen und die auch nicht vor einer heimtückischen Gewalt zurückschrecken
 
Doktor
Er verkörpert alle, die beschränkt und vorurteilsbefangen sind, die aber in einer gesellschaftlichen anerkannten Position sind und ihr Fehlverhalten nicht eingestehen, sondern es mit schönen Phrasen zudecken und die Schuld daran anderen zuschieben
 
Interpretation
Max Frischs „Andorra“ kann als ein Lehrstück der Nachkriegszeit aufgefasst werden, da es die Probleme der Juden zur Zeit des 2. Weltkrieges deutlich erkennen lässt. Er zeigt deutlich die Probleme des Rassismus und der Vorurteile gegenüber Minderheiten. Auch zeigt er seine Abneigung gegen das Militär, da er die Soldaten als äußerst primitive Menschen darstellt. Gegen all diese Verbrechen an den Juden geht Max Frisch in seinem Lehrstück „Andorra“ vor. Aber sein Drama „Andorra“ bezieht sich nicht nur auf Vergangenheitsbewältigung, es geht ebenso um Heutiges, Gelebtes und Zukünftiges.
Nennung der schlimmsten Charaktereigenschaften: Geiz, Feigheit.

Die Bedeutung des Namens „Andorra“
Gemeint ist natürlich nicht der wirkliche Kleinstaat dieses Namens. Andorra ist der Name für ein Modell. Es zeigt den Prozess einer Bewusstseinsveränderung, abgehandelt an der Figur des jungen Andri, den die Umwelt so lange zum Anderssein zwingt, bis er es als sein Schicksal annimmt. Dieses Schicksal heißt in Max Frischs Stück „Judsein“. Aus diesem Grunde liegt Andorra natürlich auch in Deutschland. Doch ebenso gut könnte es sich auf einem anderen Teil der Erde befinden.
Die Länder, die Staaten sind austauschbar, denn Andorra könnte immer dort sein wo es Minoritäten gibt, die am Rande der Gesellschaft existieren und dadurch Vorurteilen und Repressalien ausgesetzt sind.

Die Symbolik in dem Stück
Zum einen wird die Symbolik der Farben in diesem Stück offenkundig. Da wird immer dieses schneeweiße Andorra in den Mittelpunkt gestellt. Doch dieses Andorra ist in Wirklichkeit blutrot. Die Bedrohung durch das Nachbarland, Tod und Hinrichtung sind alles Hinweise auf das katastrophale Ende.

Bedeutung der Zeugenschranke
Dies soll nur die öffentliche Meinung vertreten! An der Zeugenschranke erscheinen nach und nach alle andorranischen Personen des öffentlichen Lebens. Sie sind nicht als einzelne individuelle Person zu sehen, sondern sie verkörpern jeweils einen bestimmen Typ in der andorranischen Gesellschaft.
 
Sie stehen für das breite Volk, das sich eine Meinung gebildet hat, bzw. das sich ein Bildnis von Andri gemacht hat.
Die Darsteller des öffentlichen Lebens rechtfertigen sich, und zeigen sich einsichtig, Fehler gemacht zu haben: erhöhte Lehrgeldforderung, die Stuhlverwechslung, dass man sich über Andris Herkunft getäuscht hat, ihn nicht leiden konnte, der Steinwurf nicht erwiesen ist
Diese Verfehlungen sind offensichtlich, der Hauptfehler, Andri in die Judenrolle gepresst zu haben- mit den Vorurteilen- wird aber verdrängt. Außerdem sagen sie , Andri wäre mit schuld an dem ganzen Ausgang.
Deutlich wird auch folgendes: Nur weil Andri kein Jude nun gewesen ist, bedauern alle das Geschehene. Also wenn er wirklich Jude gewesen wäre, hätten sie auch keine Schuld.
Damit wird gezeigt, dass die Andorraner an ihren Vorurteilen festhalten und dass sie unbelehrbar sind. Sie verdecken und verdrängen ihr Versagen. Sie haben nichts dazu gelernt. Das wird deutlich an der Zeugenschranke gezeigt
Der einzige, der sich wirklich schuldig zeigt ist der Pater – Er hätte sich kein Bildnis machen dürfen. Auf seine Schuld nicht als Entlastungszeuge bei dem Steinwurf ausgesagt zu haben, geht er nicht ein.

Gedanken, Weltbild und Menschbild Frischs
Frisch will mit seinem Werk dem Leser verdeutlichen, wie schlimm es ist, sich von einem Menschen ein Bild zu machen. Dem Juden werden viele negative Eigenschaften unterstellt. Ganz gleich wie er sich verhält, scheint er angeblich das Böse in sich zu verkörpern.   Frisch lässt Andri als angeblichen Juden auftreten und zeigt uns, wie die gesellschaftlichen antisemitischen Vorurteile Andri zu Fall bringen. Ich denke, der Autor will uns mit seinem Stück auffordern, auf Bildnisse zu verzichten.
Frisch erkennt, dass sich Menschen oft Bildnisse von seinen Mitmenschen machen. Diese Personen werden dadurch in Rollen gedrängt, die ihrem Wesen nicht entsprechen.
Er kritisiert die negativen Vorurteile, die wir Minderheiten- wie z.B. Juden oder auch Ausländer gegenüber entgegenbringen. Eigenschaften, die uns an uns selbst stören, schiebt man gerne Minderheiten zu und macht diese zu Sündenbock . Diese Gedanken, die Frisch wohl bewogen haben, dieses Stück zu schreiben, zeigen eigentlich, dass sein Welt- bzw. Menschbild nicht allzu positiv ist.
 
4. Biedermann und die Brandstifter (Lehrstück ohne Lehre)
Inhalt
In einer Stadt kommt es immer wieder vor, dass sich Untermieter in ein Haus einnisten und dann dieses Haus niederbrennen. Gottlieb Biedermann ist sich sicher, dass ihm so etwas nie passieren kann. Eines Tages dringt ein lästiger Besuch in sein Heim: der Ringer Josef Schmitz, ein Mensch von triefender Sentimentalität und höhnischer Verschlagenheit, bittet um Obdach auf dem feuergefährlichen Estrich. Biedermann sträubt sich, erliegt aber der Schmeichelei, mit der Schmitz seine Spießermentalität, seinen Egoismus, sein Misstrauen, schlechtes Gewissen und sein Sicherheitsdenken geschickt zu manipulieren weiß. Er wirft den Ringer nicht hinaus. Herr Biedermann ist aber nicht immer so nachgiebig, wie es hier scheint. In seinen eigenen geschäftlichen Angelegenheiten zeigt er sich als kalter, nüchterner Rechner.
 
Seinen Angestellten Knechtling, der offensichtlich eine Erfindung in Biedermanns Haarwasserfabrik gemacht hat und der sich durch eine Beteiligung an der Ausnutzung der Erfindung eine wirtschaftliche Verbesserung seiner Lage verspricht, wird rücksichtslos von Biedermann gekündigt und damit seiner Existenzgrundlage beraubt.
Er empfiehlt Knechtling, entweder sich einen Anwalt zu nehmen, was Knechtling finanziell gänzlich unmöglich ist, oder sich unter dem Gasherd zu legen. Das Verhalten Biedermanns gegenüber Knechtling macht ihn zum potentiellen Mörder, da sein ehemaliger Angestellte seinen Rat befolgt und Selbstmord begeht.
Nachdem sich Schmitz immer stärker in die Häuslichkeit Biedermanns gedrängt hat und sich von seiner Frau ein Frühstück servieren lässt, kündet er seinen Helfershelfer, den ehemaligen Kellner Willi Eisenring an. Die ganze Nacht lang sind die beiden Brandstifter damit beschäftigt, Benzinfässer auf dem Dachboden zu stapeln, um das Feuerwerk sachgemäß vorzubereiten. Als Biedermann den Neuankömmling und Schmitz aus dem Haus weisen will, da seine Frau Babette durch das Gepolter der herangerollten Fässern am Schlaf gehindert wird, trifft ein Polizist ein.
Gottlieb der gerade kurz vorher erfahren hat, dass Benzin in den Fässern lagert, könnte sich nun dem Polizisten anvertrauen, doch hat er sich Knechtling gegenüber in eine schiefe Lage gebracht, denn Schmitz ist darüber informiert, dass Biedermann Knechtling empfahl, sich unter den Gasherd zu legen. Als der, auf die Anzeige Frau Knechtlings eintreffender Polizist ihm nun mitteilt, Knechtling habe sich tatsächlich unter den Gashahn gelegt, hält ihn die Furcht vor dem unangenehmen Zeugen Schmitz, die beiden Brandstiftern zu verraten.

Am Nachmittag hilft Biedermann Willi die Zündschnur anzulegen, während Schmitz dabei ist, Holzwolle aufzutreiben, die ideal für die Funkenvertreibung sei. Biedermann hingegen versucht alles als Scherz auszulegen, während ihm Eisenrings offenes Bekenntnis tatsächlich keinen Zweifel an ihrer Absicht lässt. Biedermann kommt nicht zur Einsicht und bietet ihnen selbst Streichhölzer an.

Nachspiel
Nach dem Brand befindet sich die Familie Biedermann in der Hölle. Schmitz und Eisenring entpuppen sich als Teufel und Beelzebub auf der Jagd nach den Großen der Welt. Aber nur die Kleinen werden gefangen, da die uniformierten Übeltäter vom Himmel Amnestie erhalten. Also streikt die Hölle, und die verbrannte Stadt ersteht neu in Chrom und Nickel, da die Hölle sich erhofft, beim nächsten Mal größere Beute zu erzielen.

Charakteristik
Gottlieb Biedermann
Biedermann ist ein unverbesserlicher, charakterloser Schwächling, der mit seinen Artgenossen zusammen die meisten Katastrophen dieser Welt dadurch herbeiführt, dass er zunächst seinen Vorteil daraus zieht, dann aber nichts mehr damit zu tun haben will und sich aus der Verantwortung stiehlt. Er ist eine Art Prototyp eines heuchlerischen Spießers und strebt nach Ansehen und Beliebtheit. Er ist ein ehrgeiziger Geschäftsmann.

Babette
Ist die Ehefrau Gottliebs und die typische Kleinbürgerfrau. Sie zeigt sich sehr ängstlich und wirkt sympathischer als ihr Ehemann. Kann kein wahres Mitleid zeigen (Knechtling).

Josef Schmitz
Josef Schmitz ist ein großer stämmiger Mann der um die 45 Jahre alt ist. Er ist arbeitslos und obdachlos. Früher war er Ringer in der Kategorie „Schwergewicht“, was man an seinen Muskeln und seinem stämmigen Körperbau erkennen kann. Schmitz tut so, als wäre er der unschuldigste und harmloseste Mensch auf Erden, jagt Biedermann aber trotzdem ein bisschen Angst ein.
 
Er betont immer, das man sich wegen ihm bloß keine Umstände machen solle, spricht aber ohne sich zu genieren jeden Wunsch aus, den er dann auch von Biedermann oder von der Dienerin erfüllt bekommt. Schmitz hat auch keine Manieren und kein Benehmen, was vielleicht daran liegt, dass er der Sohn eines Köhlers ist und immer in Armut gelebt hat. Schmitz war auch schon einmal im Gefängnis. Wie man später durch DR. Phil. erfährt, hat Schmitz nur aus purer Lust Brände gelegt. Schmitz war sicher auch ein bisschen verrückt.

Willi Eisenring
Willi Eisenring ist ein vornehmer Mann der wie Josef Schmitz um die 45 Jahre alt ist. Sein typisches Kennzeichen ist, dass er immer einen Frack trägt. Diesen Frack trägt er wahrscheinlich, weil er einmal Kellner war. Auch er ist obdachlos und arbeitslos. Wie sein bester Freund Josef Schmitz war auch er schon einmal im Gefängnis. Und wie es der Zufall so gewollt hat, haben sich Schmitz und Eisenring im Gefängnis kennengelernt. Im Gegensatz zu Schmitz hat Eisenring aber ein sehr gutes Benehmen und auch Manieren, was wahrscheinlich daran liegt dass er einmal Kellner war.
Wenn Eisenring manchmal mit Schmitz schimpft, weil dieser sich unkorrekt verhalten hat, könnte man glauben, dass Eisenring der Vater von Schmitz ist. Die vornehme, ruhige Art, hat auf Biedermann einen guten Einfluss und Biedermann kommt auch nicht auf den Gedanken, dass ein so gescheiter Mann ein Brandstifter sein könnte.

Interpretation
+)   Modell für die Gefährlichkeit der politischen Dummheit des Bürgers
+)   Bequemlichkeit, wenn es heißt, gegen Mächtigere etwas zu unternehmen
+)   Neigung, gegen besseres Wissen zum Mitläufer zu werden und damit zum Mitschuldigen.

Max Frisch deutet um die Darstellung eines durchschnittlichen Bürgers, der ein schlechtes Gewissen hat…und der ein gutes haben möchte, ohne irgend etwas zu verändern”.
Max Frisch nennt sein Spiel “Ein Lehrstück ohne Lehre”. Er deckt in ihm schonungslos Missstände auf, weist auf die Notwendigkeit einer radikalen Änderung hin, zeigt sie aber nicht selbst, sondern überlässt das dem Nachdenken der Leser(Zuschauer). Das Stück ist die Kritik zu einer Gesellschaft, die aus reinen egoistischen Motiven nur zu gern bereit ist ein Bündnis mit den Brandstiftern zu schließen, ohne jedoch zu wissen, dass sie selbst als erste vernichtet wird.

Frisch zeigt im Stück keine Einsicht und Wirkung.
Man kann die Moral dieses >Lehrstücks ohne Lehre< auf die jüngste Vergangenheit anlegen.
 
Es kann bedeuten:
Wir wussten, dass Hitler Krieg, Vorherrschaft, Brand und Ausrottung meinte. Er hat es deutlich genug gesagt, trotzdem hat man es nicht recht geglaubt.

Lehrstück ohne Lehre
Max Frisch orientiert sich an Berthold Brecht, der auch einige Lehrstücke geschrieben hat. Durch die Beifügung ,,ohne Lehre“ weist er aber darauf hin, dass die betroffenen Personen in seinem Stück nichts aus der Situation gelernt haben.

5. Homo Faber
Inhalt
Der Bericht beginnt damit, dass sich Walter Faber von seiner Geliebten Ivy verabschiedet und nach Caracas fliegt, wo er die Montage einer Turbine überwachen soll. Während des Fluges lernt er den Deutschen Herbert Hencke kennen, dessen Bruder Joachim versucht in Guatemala eine Tabakplantage aufzubauen. Wegen eines Motorschadens muss die Maschine in der Wüste notlanden. Faber erfährt, dass Joachim, sein Jugendfreund, seine (Fabers) ehemalige Verlobte Hanna geheiratet hat, dass diese Ehe aber bald wieder in die Brüche gegangen ist, obwohl sie eine Tochter gehabt haben.
In der nun folgenden Rückblende erzählt Faber die Geschichte seines Verhältnisses mit Hanna Landsberg, einer Halbjüdin, die ihn obwohl sie ein Kind von ihm erwartet, nicht heiraten will. Damit beendet er den Rückblick wieder, teilt Herbert mit, dass er sich entschlossen hat seinen Caracasaufenthalt zu verabschieden und statt dessen Joachim zu besuchen. Nach einer schwierigen Fahrt durch den Dschungel erreichen sie Joachims Plantage, finden diesen dort aber erhängt vor.
Daraufhin übernimmt Herbert die Plantage und Faber fliegt nach New York zurück. Als ihn Ivy bei seiner Ankunft in New York erwartet, obwohl er ihr mitgeteilt hat, dass er auf eine weitere Beziehung keinen Wert legt, beschließt er, schon am nächsten Tag mit dem Schiff nach Europa weiterzureisen. Während der Überfahrt lernt er Sabeth kennen, die zu ihrer Mutter nach Griechenland unterwegs ist. In Paris, wo Faber beruflich zu tun hat, trifft er zufällig Sabeth wieder und beschließt mit ihr nach Griechenland zu fahren.

Auf ihrer Kulturreise durch Oberitalien wird Sabeth zu Fabers Geliebten und er erfährt dann auch, dass sie die Tochter von Hanna ist, glaubt aber noch immer, dass Joachim Sabeths Vater ist. Nach der Überfahrt nach Griechenland wird Sabeth von einer Schlange gebissen. Faber bringt die verletzte Bewusstlose unter großen Schwierigkeiten nach Athen.
Dort trifft er im Spital Hanna wieder.
Das Buch endet in einem Krankenhaus, wo sich Faber befindet, um heraus zu finden ob er Magenkrebs hat oder nicht. Er ist fest davon überzeugt, aber Max Frisch lässt das Ende offen.

Charakteristik
Walter (Homo) Faber
Das Beiwort Faber bedeutet geschickt und kunstfertig. Homo Faber ist von heute aus gesehen der Mensch der exakten Wissenschaft und der Technik, er beobachtet, misst und wägt, zieht Schlüsse, fällt Entscheidungen und erlässt den entsprechenden Befehl.
Sein Weltbild ist rein naturwissenschaftlich-rationalistisch bestimmt. Er denkt nur in mathematischen Verhältnissen und technischen Fakten. Für ihn bedeuten Welt, Natur, Leben und Gefühle nur etwas Berechenbares, er betrachtet alles Geschehen unter dem Aspekt des kausalen Zusammenhanges von Ursache und Wirkung. Sogar das Seelenheil und die Liebe sind für ihn nur Ergebnisse von Bewegungen molekularer Substanzen. Um Schicksalsschlägen ihre Wirkung zu nehmen, flüchtet er sich in Statistiken und rationelle Gedanken. Für Faber gibt es weder Unvorhergesehenes nach Gott, denn dafür gibt es in seiner rationalistischen Welt keinen Platz.
Mit Sabeth tritt jemand in sein Leben, der seine Theorien über ein gefühlskaltes Leben wiederstößt. Faber muss beginnen umzudenken und erkennt schließlich am Endes seines Lebens, dass seine Weltbilder nur Trugbilder einer industriellen Konsumgesellschaft waren.
Walter Faber ist ein Mensch, der seinen Mitmenschen, in unserem Fall den Lesern, seine Gefühle nicht zeigt

Hanna Landsberg
Sie ist deutsche Halbjüdin, und das genaue Gegenteil von ihrem früheren Liebhaber Faber. Sie ist sehr emanzipiert, interessiert und intelligent, ähnlich wie Faber, aber sie glaubt auch an den Tod und Zufall. Gefühle zu zeigen stellt kein Problem für Hanna dar. Es ist ihr vorzuwerfen, dass sie Homo Faber die Existenz der gemeinsamen Tochter verschwiegen hat.

(Eli)Sabeth Landsberg
ist Homo Fabers und Hanna Landbergs Tochter. Sie hat gerade erst die Schule abgeschlossen, und ist auf der Reise mit einem Schiff von New York nach Europa, als sie das erste Mal Homo Faber begegnet. Faber fällt sie sofort auf, aber er weiß nicht wem sie ähnlich sieht. Er hat zu diesem Zeitpunkt natürlich noch keine Ahnung, dass er sich mit seiner Tochter trifft. Sie ist eine junge, interessierte, gefühlsbetonte und lebensfreudige Frau. Sabeth und Walter lassen sich während der Reise in Frankreich, Italien und Griechenland auf eine Affäre ein, welche im Inzest endet.

Interpretation
1. Die Zerstörung des rationellen Weltbildes Walter (Homo) Fabers
2. Die Lebensbeziehung zwischen Vater und Tochter
3. Identitätsproblem

Die 3 Punkte:
der Flugzeugabsturz in Mexiko, der Suizid seines Freundes und die Tatsache eine Tochter zu haben, lassen Homo Fabers rationales Weltbild verschwinden, welches sich durch das Gefühl ersetzt einen Teil seines Leben verschlafen zu haben. “ … aber auch Hanna hat nicht ahnen können, dass Sabeth auf dieser Reise gerade ihrem Vater begegnet, der alles zerstört – „ Er begreift den Großteil des Lebens als gefühlloser, berechnender und asozialer Mensch verbracht zu haben.
Homo Faber ist ein erfolgreicher Ingenieur, der bei Frauen sehr viel Anklang findet. Er nutzt dieses aus, aber eigentlich hat er immer nur oberflächliche Beziehungen, mit Frauen als auch mit männlichen Freunden. Nach den drei, für Homo Faber eher statistisch unwahrscheinlichen Hergängen; der Flugzeugabsturz, der Selbstmord seines Freundes und der Tod seiner eigenen Tochter, ist er zu einem anderem Menschen geworden. Er glaubt einen Teil seines Lebens verpasst zu haben, und das Leben eines anderen zerstört zu haben. Plötzlich scheint er auch überzeugt zu sein, Magenkrebs zu haben. Früher hat er das sicher auch anhand Statistik abgestritten. Am Ende hat Zufall und Tod doch Platz im Leben des Homo Fabers gefunden.

6.  Faber und sein Amerikanisches Weltbild
Amerika, „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, hat in Max Frischs „Homo Faber“ wohl nicht nur die Aufgabe eines x-beliebigen Schauplatzes. Vielmehr benutzt Frisch die USA in seinem Roman zur Charakterbildung Fabers, indem sich Walter Fabers Einstellung diesem Land gegenüber genauso wie Fabers Leben selbst fortlaufend verändert.
Fabers Haltung Amerika gegenüber kann, wie der gesamte Roman an sich, in zwei Teile unterteilt werden. Der erste Teil besteht aus dem ursprünglichen Leben Fabers, das von Technikbezug und Rationalität geprägt ist. Amerika stellt für Faber die geistige Heimat, die Realität und die Technik der Welt dar. Er sieht nicht ein, warum andere Menschen behaupten, dieses Land hätte keine Tradition und Kultur: „Er war zum ersten Mal in den Staaten, […] wobei er das eine oder andere (im ganzen fand er die Amerikaner kulturlos) trotzdem anerkennen musste“. Den gesamten Roman hindurch ist Walter Fabers Einstellung zu Amerika ein Symbol für seine Lebensfähigkeit und wirkliche Selbständigkeit:
 
Konnte er anfangs noch als pseudo-selbstständiger weltreisender Amerikaner nicht vom amerikanischen Weltbild loskommen, so ist er am Ende wirklich frei: Er kann denken, fühlen und erleben. Er ist nicht mehr oberflächlich und beherrscht von Technik, und gleichzeitig hasst er die USA und deren Bewohner. Seine Haltung Amerika gegenüber ist also in Frischs Homo faber das Symbol für Fabers Entwicklungsstand zum „echten“ Menschen schlechthin.
Frisch lässt Amerika in seinem Roman zum Sündenbock für die Gefühl- und Kulturlosigkeit der Welt werden. Ob das berechtigt ist, darüber lässt sich streiten. Fest steht: Viele der Klischees des typischen Amerikaners sind nicht einfach aus der Luft gegriffen: Die USA sind das wohl am meisten technisierte Land der Welt, und viele Amerikaner sind dank der Vormachtstellung der USA in der Welt Kulturbanausen.

7.  Die Rolle der Frau
Walter Fabers Einstellung zu Frauen erscheint für die heutige Zeit diskriminierend. Er sieht sie als schwaches Geschlecht an und behandelt sie oft wie Objekte. Er hält „grundsätzlich“ nicht viel von festen Beziehungen oder Heirat, weil Menschen für ihn „eine Anstrengung“ sind, und er Gefühle als „Ermüdungserscheinungen“ sieht. Dafür fühlt er sich in Kontakt mit technischen Geräten umso wohler, da diese keine Gefühle von ihm verlangen; diese brauchen nur technisches Verstehen. Er äußert sich fast nur über die Gesamtheit der Frauen, wobei er ihre Individualität vernachlässigt.
 
So haben seiner Meinung nach „Alle Frauen einen Hang zum Aberglauben, und weil er sie nicht verstehen kann, sind sie ihm „unheimlich“.
Außerdem ist er überzeugt davon, jeder „wirkliche Mann“ lebe in seiner Arbeit, er „schätze sich glücklich , allein zu wohnen […] [für ihn] der einzigmögliche Zustand“. Sein Verhältnis zu Frauen wird durch ein Erlebnis in seiner Kindheit geprägt, bei dem die Gattin seines Professors ihn verführte. Er sagt über dieses Erlebnis, dass die Gattin ihm „wie eine Irre […] oder wie eine Hündin“ (S.99) vorkam. Überhaupt nennt er die Sexualität als solche des öfteren „absurd“.

8.  Don Juan oder Die liebe zur Geometrie
Inhalt
Don Juan, Mathematiker und Offizier, der sich bisher wenig aus Frauen gemacht hat, soll nun gegen seinen Willen mit Donna Anna, Tochter des Komturs Don Gonzales und der Donna Elvira, verheiratet werden. Der Hochzeit geht ein Maskenball voraus. Juan, der seinen Freund Rodrigo vergeblich bittet, ihm zur Flucht zu verhelfen, hat im Park nachts die Gunst einer Unbekannten errungen.
Als er am nächsten Tag erfährt, dass er in der Dunkelheit seine eigene Braut umarmt hat, verzichtet er auf die Ehe. Er will sich lieber seinem Hobby, der geliebten Geometrie, widmen, die ihm als exakte Wissenschaft mehr zu geben hat als alle Liebeserlebnisse. Da tritt ihm Donna Anna in Schleier und Brautkleid entgegen, und er lässt sich noch einmal von seinen Gefühlen hinreißen. Gerade als er mit der Schönen gehen will, bringt Pater Diego die tote Donna Anna, die sich aus Kummer ertränkt hat. Die scheinbare Donna Anna enthüllt sich nun als Miranda. Nun hat Don Juan genug von diesen Nachstellungen und geht in eine Klosterzelle, um sich ganz der Mathematik zu widmen. Vorher scheint es ihm aber angebracht, sich bei den vielen Anbeterinnen einen Abgang zu verschaffen und verschwindet in den Keller durch einen geheimen Gang der zum Kloster führt.
Überall glaubt man nun Don Juan sei endlich zur Hölle gefahren, doch er lebt tatsächlich unter der Fuchtel der zur Herzogin von Ronda gewordenen Hetäre Miranda, die ihm als reiche Witwe auf ihrem Schloss Obdach gewährt und ihn zum Vater eines Kindes macht.
 
Charakteristik
Don Juan
Zu Beginn des Stückes wird er von seinem Vater und Don Gonzalo in drei wesentlichen Punkten vorgestellt: Er hatte bisher noch nie etwas mit Frauen, spielt selbst im Bordell nur Schach; er liebt die abstrakte Wissenschaft der Geometrie über alles und gilt als Held von Cordoba, weil er die feindliche Festung exakt vermessen hat.
Don Juan versucht bis auf die Szene wo er die als Anna verkleidete Miranda umarmt und seinen Gefühlen freien Lauf die Rationalität über das Gefühl zu stellen.
 
Er weißt durchaus narzisstische Züge auf, die jedoch erst nach der Nacht im Schlosspark mit Anna zum Vorschein kommen.
Was er im Park in aller Natürlichkeit erlebt hat, wird für ihn durch die kirchliche und gesellschaftliche Sanktionierung unmöglich.
Nachdem er ein klares Nein bei der Hochzeit verkündet, zeigt er seine zynische Seite. Don Juan stellt die Liebe als etwas Negatives hin, wie einen Rausch, der den Geist verwirrt.
Er möchte nach diesen Erlebnissen die Liebe vergessen und sich nur mehr der Geometrie widmen. In einem Dialog mit Don Rodrigo sagt er selbst: „Ich habe ausgeliebt.“ Jedoch nach dieser Szene muss er sich noch einmal der verkleideten Miranda hingeben. In dieser Situation wird er zur tragischen Figur. Annas Tod ist wohl der tragischste Moment in dem Leben von Don Juan. Er reagiert darauf sehr verschieden: Zuerst entsetzt beim Anblick der Leiche derer, die er lebend vor sich zu sehen glaubte, danach sogar bis zur Verzweiflung auf Grund der zerstörten Hoffnung. Jedoch nach Annas Tod fürchtet er nichts und niemanden.
Im vierten Akt entpuppt sich Don Juan als derjenige, für den man ihn gemeinhin hält: der große Verführer der Frauen – wobei weitgehend unklar bleibt, ob er die Frauen oder sie ihn verführt haben. Überdies bleiben auch keine Zweifel darüber – da alle Frauen, die im vierten Akt zu ihm kommen, gestandene Ehefrauen sind -, ob nicht Don Juan für sie ein Objekt verspäteter Lust darstellte, das sie nur im Nachhinein beschuldigen, weil er nicht treu geblieben ist.
Mit seinem Verschwinden will er nun alle zufrieden stellen, die Frauen, die Kirche, die Konvention (Regeln des sozialen Verhaltens, die für die Gesellschaft als Verhaltensnorm gelten) und auch sich selbst. Außerdem ist er bankrott. Seine inszenierte Höllenfahrt gelingt.
Im letzten Akt hat Juan es endlich erreicht. Er hat seine Geometrie. Juan ist ein alter Mann geworden, der nörgelt, wenn man ihn nicht pünktlich zum Essen ruft.

Donna Anna
Donna Anna ist von außerordentlicher Schönheit, die jedoch nur kaum an Persönlichkeit besitzt. Sie spricht selten mehr als einen Satz und ist überhaupt ein sehr verträumtes Mädchen.
Grundsätzlich will sie ihrem Vater alles recht machen, jedoch sogar bei den Hochzeitsvorbereitungen spricht sie nur von der Nacht im Park, wo sie Don Juan kennengelernt hat. Als Don Juan sie nicht heiraten will, kann sie die Argumentation von Don Juan nicht verstehen, da sie zu naiv ist.
Donna Anna wählt als Ausweg den Tod, indem sie sich im Teich ertränkt.

Tenorio
Tenorio ist als er erfährt, dass sein Sohn der Held von Cordoba ist erstmals stolz auf Don Juan. Jedes Mal wenn er über etwas erstaunt ist äußert er sich mit einem „Junge, Junge“. Max Frisch macht sich in seiner Komödie lustig über die vorbestimmte Haltung des Vaters.

Don Gonzalo
Als Vater der Braut spielt er eine wesentliche Rolle in Frischs Komödie. Er steht mit ganzen Herzen hinter seiner Tochter. Er ist ein guter Christ, der sogar vor der Hochzeit noch beichtet.
Als Don Juan die Ehre seiner Tochter verletzt, will sich Don Gonzalo sofort für sie rächen, jedoch geht Don Juan vorerst nicht auf einen Kampf ein. In der Nacht der Hochzeit ist er der Gegner von Don Juan. Er hat sich als einziges Ziel gesetzt, seine Tochter zu rächen. Er wird jedoch dabei zur komischen Figur. Als er Don Juan endlich dazu bringt mit ihm zu kämpfen, wird er erstochen. Er musste dies allerdings riskieren, da er sonst ein schlechtes Bild als Vater vor dem Volk abgibt.

Donna Elvira
Sie ist von Don Juan hingerissen und wünscht sich, dass sie nicht die Brautmutter sondern die Braut ist. In ihren Dialogen erkennt man, dass sie eine lebenslustige und lebenskundige Frau ist. Die Ehe zwischen ihr und Don Gonzalo ist schon länger nicht mehr intakt und sie hat ein Verhältnis mit Pater Diego.
 
Eigentlich verspürt sie keine Trauer, als Don Juan die Verbindung mit Donna Anna ablehnt. Auch beim Kampf zwischen Don Gonzalo und Don Juan wirft sie sich einmal dazwischen, jedoch nur um Don Juan zu schützen.
Im letzten Intermezzo tritt sie nochmals in einem Kloster auf. Sie ist dort hingegangen, da sie enttäuscht ist, dass sie Don Juan nicht bekommen hat.

Don Rodrigo
Don Rodrigo ist ein Jugendfreund Don Juans, den einzigen Freund, den er hat und den er dann im Verlauf des Dramas bewusst herausfordert.

Interpretation
Frisch liefert mit seiner Bearbeitung des Don-Juan-Dramas eine der originellsten und eigenwilligsten Deutungen, die dieses Motiv im Laufe der Jahrhunderte erhalten hat. Max Frisch selbst äußerte in einem Kommentar, dass Don Juan mehr mit Ikarus und Faust verwandt sei als mit Casanova. Im Gegensatz zu allen anderen Deutungen von Rang erscheint bei Frisch Don Juan nicht in erster Linie als ein von den Frauen besessener Verführer, der nur fähig zur Eroberung, nicht aber zur Liebe ist. Vielmehr entpuppt er sich in seinem Wesenskern als ein geradezu unsinnlicher Mensch: Er liebt mathematisch klar erfassbare Wahrheiten, nicht die verwirrende Vielfalt letztlich unausdeutbarer Gefühle.
Don Juans Sinnlichkeit ist äußere Maskerade, während er in seinem Innern einer glasklaren, streng disziplinierten Logik zuneigt, die seiner Meinung nach allein für Männer reserviert ist. Indem er so die Geschlechter in schroff getrennte Welten einsperrt – der Mann steht für Geist, die Frau für Sinnlichkeit – muss er das weibliche Wesen stets als das Unbekannte fürchten, muss er sich ängstlich auf seine eigene Domäne zurückziehen. Während er im Bereich des Denkens zu Pioniertaten fähig sein mag, ähneln seine Kontakt zu Frauen flüchtigen Expeditionen ohne größeren Entdeckungswert. Eine alte Männer- Neurose in neuen Worten.

9.  Mein Name sei Gantenbein
Inhalt
Ein Ich rekapituliert sein Leben. Es versetzt sich in drei verschiedene Persönlichkeiten: Gantenbein. Enderlin. Svoboda. Diese Person, welche ja eine Erfindung des Ich – Erzählers ist, schlüpft nun wiederum in eine andere Identität, nämlich in diejenige eines Blinden. Obwohl Gantenbein sehen kann, wie jeder andere auch, besorgt er sich eine Blindenbrille und einen Stock. In dieser Tarnung kann Gantenbein nun seine Mitmenschen beobachten, ohne dass diese irgendeinen Verdacht hegen. Er wird unterschätzt, weil man glaubt, er sehe nichts. Oft stellt sich Gantenbein auch vor, wie es wäre, wenn er diese gespielte Blindheit auf einmal wieder aufgäbe. Er spielt das Spiel mit, er nutzt sein Rolle und spielt sie gegen die Gesellschaft aus. Er hat Erfolg damit. Der Zweite ist ein verunsicherter Intellektueller. Er wurde nach Harvard berufen, er hat es geschafft, aber er kann mit seiner neuen Rolle nicht umgehen, er kann sein Leben nicht so einfach verändern wie Gantenbein. Der Dritte ist ein Verlierertyp. Er verliert seine Frau an einen anderen. Er kann damit nicht umgehen, er dreht durch, er ,,fällt aus der Rolle“.
Diese drei Persönlichkeiten sind offenbar Teile des dahinterstehenden und erzählenden Ichs. Gemeinsam ist ihnen, dass sich ihr Leben verändert, dass sie ihre ,,Rollen“ verändern bzw. verändern müssen. Gantenbein kann dies. Enderlin und Svoboda können dies nicht. Alle drei Erzählstränge sind verbunden durch die Figur einer Frau, genannt Lila. Sie war die Gattin Svobodas, ist die Geliebte Enderlin und schließlich erneut die Frau Gantenbeins. Die Hauptperson, der „Held“ der Geschichte ist zweifelsfrei die Person Gantenbein. Es handelt sich hier um einen Antihelden, welcher nicht einmal mehr Träger eines individuellen Bewusstseins ist. Er liefert sich bewusst seiner Umwelt aus und nimmt als Blinder an den meisten Situationen nur passiv teil.

Interpretation
Frisch setzt sich in diesem Roman vermutlich stärker und deutlicher als zuvor mit dem Problem der Identitätsfindung auseinander: indem das erzählende Ich verschiedene Situationen als einer der drei Protagonisten ,,durchspielt“, sucht es nach seiner eigenen Identität. Dabei findet es besonders Gefallen an Gantenbein, deshalb der Titel. Gantenbein ist in der Lage seine Rolle zu wechseln, sein Spiel mit der Gesellschaft hat Erfolg. Svoboda wird nie richtig angenommen, er ist von vornherein der Verlierer. Enderlin kann seine Rolle nicht verändern. Enderlin endet in der Vorausschau eines alltäglichen Ehelebens, eines Lebens, in dem alles voraussehbar ist, indem der Erzähler erstarren würde.
 
Dieser Roman ist einen neue, ungewöhnliche Version des einen Frisch’schen Grundthemas, nämlich des Problems von Rolle und Wirklichkeit.
Er erfindet durch sein „Erzähler – Ich“ viele Wirklichkeiten, viele mögliche Begebenheiten, und ebenso erfindet er mehrere mögliche Rollen für das „Ich“ sowie für die Partnerin.
Der Roman bietet eine unendliche Fülle von Randgeschichten, die das Wichtigste sind. Eine eigentliche „Story“ gibt es ja nicht zu suchen, da das erzählende „Ich“ keine Geschichte, sondern nur eine Erfahrung hat. Mit den Fabeln, Märchen, Träumen und Vorkommnissen steht und fällt denn auch dieses Werk. Ein Teil von ihnen offenbart Witz bis hin zu hintergründigem Humor, andere sind voller Irrationalität, manche voller Lebensphilosophie oder leben von Frischs Thesen, die durchaus nicht ohne Widerspruch bleiben müssen.
 
Was hinter der Blinden – Rolle des Gantenbein steckt, wird im Roman deutlich ausgesprochen. Man wird ihm eine Welt vorstellen, wie sie in der Zeitung steht, und indem Gantenbein tut, als glaube er’s, wird er Karriere machen. Mangel an Fähigkeit braucht ihn nicht zu kümmern; was die Welt braucht, sind Leute wie Gantenbein, die nie sagen, was sie sehen, und seine Vorgesetzten werden ihn schätzen.“ Hier wird hinter der speziellen Intention des Blind – Spielens eine scharfe Zeitkritik sichtbar, welche die vielen, tatsächlich lebenden „Gantenbeins“ aufs Korn nimmt.

10.  Quellenverzeichnis
  • Frisch, Max: „Don Juan oder die Liebe zur Geometrie“. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag, 1963
  • „Microsoft Encarta Enzyclopädie 2000“
  • Frisch, Max: Andorra/Biedermann und die Brandstifter
  • Biographie und Interpretation: Beyer Verlag
  • Frisch, Max: Homo Faber – Suhrkamp Taschenbuch 354, 1977
  • Frisch, Max: dtv-Lexikon
  • www.homofaber-online.de
  • www.wissen.de
  • www.hausarbeiten.de

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