In der Kurzgeschichte „San Salvador“ von Peter Bichsel wird beschrieben, wie sich ein Mann die Zeit vertreibt. Er testet einen neuen Füller, indem er Linien malt und seine Unterschrift gibt. Zusätzlich schreibt er, ihm sei es „hier zu kalt“ und er gehe nach Südamerika. Über diese beiden Sätze, besonders über letzteren, denkt er lange und intensiv nach.

Er stellt sich vor, wie seine Frau wohl auf diesen Zettel reagieren wird, sobald sie von ihrer Gesangsprobe zurückgekehrt sein wird. Dann überlegt er, einen Brief zu schreiben. Als seine Frau Hildegard dann ankommt, fragt sie ihn, Paul, nur, ob die Kinder schon im Bett seien, und streicht sich die Haare aus dem Gesicht-genau, wie er vorher vermutet hat.

Der Text lässt sich in drei Abschnitte teilen: In Abschnitt eins wird erzählt, wie Paul sich mit sinnlosen Aktivitäten die Zeit vertreibt: Unterschrift, Initialen, Adresse, Adresse seiner Eltern, Wellenlinien schreibt beziehungsweise zeichnet er mit seinem Füller. Diese Monotonie wird dadurch verdeutlicht, dass es zahlreiche Aufzählungen gibt, die entweder überleitungslos sind oder durch ein stumpfsinniges „dann“ verbunden werden. Außerdem sind die einzelnen Sätze oder Teile einer Satzreihe sehr kurz gehalten. Abschnitt eins berichtet, wie er weitere sinnlose Handlungen durchführt, die jedoch eine unbestimmte Zeit danach erfolgen. Dies kann man an dem simplen „später“ zu Beginn des Absatzes zu erkennen. Hier wird die Sinnlosigkeit der Handlungen durch oberflächliche Beschreibungen wie „…dachte an irgendetwas…“ betont. In Abschnitt zwei, wo seine Frau Hildegard erst mal erwähnt wird, stellt er sich vor, wie sie wohl auf seine Worte: „Mir ist es hier zu kalt“ und „ich gehe nach Südamerika.“ reagieren wird. Um unmittelbarer an diesen Gedanken teilnehmen zu können, werden diese in der erlebten Rede beschrieben.

In Abschnitt drei überlegt er plötzlich und unerwartet, einen Brief zu schreiben und an wen, bevor er wieder zu den sinnlosen Handlungen zurückkehrt. Denn er liest die Gebrauchsanweisung für den Füller in mehreren Sprachen und denkt kurz an Palmen und Hildegard, seine Frau. Wie beschrieben kann man also in dieser Geschichte eigentlich nicht einmal von einer Handlung sprechen.

In dieser Geschichte werden zwei Personen näher vorgestellt: Der Mann, Paul, und seine Frau, Hildegard. Paul wird erst sehr spät richtig vorgestellt. Einen ganzen Absatz lang wird er nur mit „er“ bezeichnet, bevor man am Ende des ersten Abschnitts seinen Namen erfährt. Genauer wird er gar nicht beschrieben. Die Frau hingegen wird sofort als „Hildegard“ bezeichnet, ohne dass man weiß, wer Hildegard ist. Man kann nur vermuten, dass sie Pauls Ehefrau ist.

Peter Bichsel beschreibt in dieser Geschichte eine recht kurze Zeitspanne sehr ausführlich. Die beschriebene Zeit beträgt etwa 45 bis 75 Minuten, ist aber, aufgrund der ungenauen Angaben, wie „dann“ und „später“ nur schwer festzustellen.

Die Erzählweise der Geschichte ist sehr sachlich. Sie ist weder ironisch oder satirisch noch übertrieben positiv. Sie unterstützt wie anfangs angeführt, durch ihren Satzbau und die Wortwahl den Eindruck der Monotonie. Die Überschrift ist ein Kapitel für sich. San Salvador liegt in Mittelamerika, auf dem Zettel steht aber Südamerika. Was ist das für ein Zusammenhang? Ich würde sagen, „San Salvador“ soll einfach nur, aufgrund eines spanischen Namens, ein Synonym für sommerliches Wetter und Strand und Palmen und Meer sein. Der Autor spricht mit dieser Geschichte ein recht weit verbreitetes Problem an. Aus der Tatsache, dass die Personen nur sehr oberflächlich beschrieben und kaum vorgestellt werden, und daraus, dass Paul ganz alltägliche „sinnlose Handlungen“ durchführt, kann man schließen, dass diese Kurzgeschichte eine Art Parabel dafür ist, wie gefährlich Routine für eine Beziehung sein kann. Den entscheidenden Hinweis hierfür gibt Paul Vermutung über Hildegards Verhalten beim Nachhause kommen: Das Streichen der Haare aus dem Gesicht. Von der ewigen Routine gelangweilt, ist der Satz „Mir ist es hier zu kalt“ nur eine fadenscheinige Begründung für „Ich gehe nach Südamerika“. Vielmehr will Paul aus der kleinen Welt, seiner Ehe, fliehen, um seine neue Chance im Leben zu erhalten. Mit „kalt“ ist somit innere Kälte gemeint, und zwar im Bezug zur Beziehung seiner Frau. Das größte Hindernis dieser Verwirklichung sind aber wohl die Kinder, die im vorletzten Satz erwähnt werden. Der offene Schluss lässt aber vermuten, dass Hildegard den Zettel nie lesen wird und die ewige Routine somit wohl auch ewig weiterlaufen wird.

 
Themen:
Alltagsflucht, Eintönigkeit, Monotonie, Träume und Hoffnungen, Ehegeschichte und Partnerschaft (Gewohnheit), Gefühlskälte, mangelnde Kommunikation, Alltagspflichten, Traum/Realität, fehlender Mut
 
Peter Bichsals Kurzgeschichte "San Salvador" beschreibt den erfolglosen Versuch des Familienvaters Paul, der Eintönigkeit seiner familiären Umgebung zu entfliehen.
 
Mit dem neu gekauften Füller schreibt er seine Gedanken auf: er will nach Südamerika ziehen. Seine Frau Hildegard ist bei der Chorprobe und wird in einer halben Stunde zurückkehren. Er vertrödelt diese ihm verbleibende Zeit mit sinnlosem Tun. Er kennt sie so genau, dass er ihr Verhalten im Falle seiner Flucht genau vorhersagen kann. Er schafft es nicht, seine Träume zu realisieren.
 
 
Was kann man an dem Text untersuchen:
– Gliederung/Aufbau
– Personencharakteristik
– Handlung
– Erzählperspektive
– Sprachstil
– Stilmittel
– Bilder, Schlüsselwörter
– Textart: sachlich – gefühlsbetont
– Inhalt/Thema – Zeitbezug, biografischer Bezug
– Überschrift mit Bezug zum Text
– Aussage des Textes
– Zeitstruktur
– Handlungsort/-raum (à Atmosphäre)
 
Satzbau: – Para- und Hypotaxe wechseln sich ab
à Hin- und Herschwanken in Pauls Gedanken
à Planloses Tun Pauls
à Aufzählungen: Routine, Alltag
 
Erzählperspektive:
– personaler Erzählbericht (3. Sg.)
à Identifikation mit der Person Paul
 
Redeform:
– Erlebte Rede
– Innerer Monolog
– "Der Löwen ist Mittwochs geschlossen"
 
Wiederholungen:
– "Löwen"
– Verhalten von Hildegard
– "Mir ist es hier zu kalt"
– dann
 
Zeitstruktur:
– Ez > eZ à Zeitraffung
 
Tempus der Verben:
– Plpf., Präteritum, Präsens
 
Modus der Verben:
– Konjunktiv II (irrealis)
à Sein Gehen ist sehr unwahrscheinlich, das Scheitern vorherbestimmt
 
Symbole:
– Palmen – Wärme
 
Durch häufige Wiederholungen unterstützt Bichsel die Atmosphäre der Eintönigkeit, die Pauls Leben bestimmt. Das Verhalten seiner Frau Hildegard weiß er vorherzusagen, ebenso wie den weiteren Verlauf des Abends – all das Ergebnis jahrelanger Gewöhnung aneinander. Paul ist es nicht nur physikalisch zu kalt, auch die Gefühlskälte, von der die Beziehung mit seiner Frau geprägt ist, stößt ihn ab und lässt ihn von einer anderen, in beiderlei Beziehung wärmeren Umgebung träumen. Nahezu die gesamte Geschichte, größtenteils als Innerer Monolog gehalten, beschäftigt sich mit seinen Gedanken, die seiner Verzweiflung entspringen.

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