Die Hauptaussage des Textes liegt wohl darin, dass man mit sich und seinem Leben unzufrieden ist und sich somit ein Ideales – Ich erdenkt, dass man gerne sein möchte und das die Person die man später einmal lieben wird genau dieser erdachten Person entsprechen wird (Zitat: „Sich zu verlieben heißt, dem erdachten Bilde zu begegnen.“).
Jeder, und damit sind wohl alle Menschen auf dieser Welt gemeint, ist unzufrieden mit sich, findet Sachen an sich unzulänglich und nicht herausragend, man sucht manchmal vergeblich bei sich nach Fähigkeiten, die man dann doch nicht hat. Jeder Mensch ist irgendwo unzulänglich und kein Mensch wird jemals perfekt sein.
 
Nach der Aussage des Psychologen denkt sich so jeder in seiner Kindheit das perfekte Ich aus und hat somit eine Person vor Augen, die es darstellen möchte. Eine Person die diese Unzulänglichkeiten nicht hat, eine Person die genau dem Bild des Perfekten Menschen entspricht. Nur sieht der perfekte Mensch nicht bei allen gleich aus, sondern jeder hat seine eigene, ganz persönliche Vorstellung vom perfekten Menschen und wie er zu sein hat.
Um es etwas anders zu formulieren (etwas kindlich): „Man könnte diese Person schon lieben, die man sich da ausgedacht hat.“
Somit ist jeder also auf der Suche nach genau dieser Person, die er sein könnte. Dabei decken sich die Aussagen des Psychologen auch teilweise mit uralten Volkssprichwörtern, wie z.B., dass man sich ergänzen muss um sich zu lieben oder auch das es sehr schwer ist die Liebe für das Leben zu finden.
Nun, warum ist es so schwierig die Liebe für das Leben zu finden, gerade weil jeder seine ganz eigene Vorstellung hat und diese ganz eigene Vorstellung von einer Person unter Millionen von Menschen finden muss, die genau diesem Profil entspricht und genau die gefundene Person muss einen selber als das gewünschte Profil auswählen.
Aus dieser These geht auch hervor, dass die Liebe also eine lang vorbereitete „Sache“ ist, die schon in den Kindertagen mit der Idealfigur anfängt um sich weiterzuentwickeln.
 
Es soll auch bei dieser These gar nicht in Abrede gestellte werden, dass es zum Beispiel keine Liebe auf den ersten Blick gibt, nur das man bei der Liebe auf den ersten Blick nur die Person findet die äußerlich dem Profil des Idealen Menschen entspricht, nicht aber den anderen Werten, die wären z.B. Erfolg, Ansehen oder ähnliches.
Auch wenn man zu dieser These das Gegenargument erwähnt, dass man sich, wenn der Partner nicht mehr dem Profil entspricht oder wenn der Partner dazugelernt hat, auch von der Person die er zu diesem Zeitpunkt liebt, scheiden lässt, sich trennt kann man dieses Argument dann umkehren und wieder für die These verwenden, da man bei einer Trennung merkt, das der Partner nicht dem gewünschten Profil entspricht, gerade deshalb werden auch so viele Kurzehen geschieden, weil man einfach nicht lange genug zusammen war um entscheiden zu können ob der Partner dem Profil entspricht. Im weiteren sagt man ja auch, dass sich Liebe ständig weiterentwickelt: Gerade wenn man jung ist liebt man mal den, dann mal den und dann wieder jemand anders, weil man noch lernen bzw. weil man dann noch besser dazulernen kann und somit einige seiner Fähigkeiten ausbessern kann. Man kann sich auch an dieser Stelle die Frage stellen, warum viele Leute Geliebte haben, gerade weil sie ein neues Ideales – Ich entwickelt haben, das alte Ich so von der Person, die man geliebt hat „ausgebessert“ wurde. Sie wollen sie neu verlieben.
 
Bei dieser These werden auch andere liebestypische Dinge nicht in Abrede gestellt, wie z.B. das liebe auf Gegenseitigkeit beruht, beide Seiten müssen ihr ideales Profil vom anderen wieder finden.
Vielleicht noch ein kleiner Blick auf die Homosexualität: Man kann sein Ideal auch in einem Mann finden, anstatt in einer Frau und umgekehrt, diese These macht also auch durchaus Sinn in diesem Fall.
Nun, bleibt nur noch die Frage zu klären, warum es nicht deshalb mehr Homosexualität gibt, denn überwiegen tut immer noch die Heterosexualität. Eine gut Frage, auf die aber die These durchaus auch eine Antwort findet:
Genau die anderen Interessen bei Jungen und Mädchen, Männern und Frauen lassen diese These wieder Sinn machen. Das Mädchen hat seine Interessen, oft immer andere Interessen als der Junge, der Junge hat meistens andere Interessefelder als das Mädchen und so ergänzen sich die Interessen wieder sehr gut. Genau die Fähigkeit (diese Beispiel scheint sicherlich etwas „hart“) des Kochens und Strickens (die Mädchen und Frauen werden es mir vergeben) fehlt dem Jungen, er braucht jemand der kochen und stricken kann (sicherlich war dies nicht das beste Beispiel, aber es soll wohl bessere geben, wenn man mal tiefgründig überlegt). Genauso ist es umgekehrt, das Mädchen findet beim Jungen Seiten, die es selber vermisst. Auch hier hat die These etwas uraltes: „Die Frau wünscht sich einen starken Partner, weil sie selber nicht stark ist (sei dahingestellt, aber ein Beispiel ist es allemal).
 
Um es mit einem guten Beispiel zu verdeutlichen, was bei der Liebe wohl sehr gut passen dürfte: Man ist einsam, dann verliebt man sich, ist nicht mehr einsam, trennt man sich jetzt aber wieder, weil man ja jetzt zufrieden ist, dann ist man aber wieder einsam, d.h. die Unzufriedenheit stellt sich langsam wieder ein. Wie zum Beispiel materielle Dinge wie Schulden, die in Beziehung ausgeglichen werden und dann nie wieder vor kommen, kommt diese Einsamkeit immer wieder vor.
Zum Schluss möchte ich auch noch einmal klar stellen, dass ich über eine , ich nenne sie „lebensfähige“ Abneigung gegen sich selber gesprochen habe, denn ich bin auch der Meinung dass eine zu große Verzweiflung und Unzufriedenheit mit sich selbst eher die liebe hindert, weil man sich dem Gegenüber nicht richtig öffnen kann, das Gegenüber vielleicht nicht die richtige Person „vorfindet“ und einen falschen Eindruck vom Gegenüber erhält und ich denke auch das Theodor Reik in seiner These von solch einer „lebensfähigen“ Unzufriedenheit gesprochen hat. Vielleicht hemmt zu große Unzufriedenheit die Liebe, hält sie aber nicht auf.
Und nun noch etwas für die Leute, die meinen man könne keine Person lieben die immer besser ist als man selber, weil sie genau diese Eigenschaften hat, die man selber nicht hat:
Der, dem man liebt soll einem halt geben, soll einen und wie soll man dann jemanden lieben, wenn man nicht zu ihm Aufschauen kann? Wie soll er dann einem Halt geben?
Am Ende fällt mir nur noch ein Sprichwort ein, auf das die These nicht so gut passt und für das die These wohl keine sehr gute Erklärung bietet: Zitat aus dem Volksmund: „Gleich und Gleich gesellt sich gerne“. Dabei bleibt mir nur noch eines zu sagen: Gleich und Gleich gesellt sich zwar gerne, aber es liebt sich nicht.
 
Verfasst von Lukas Clemens Böckelmann im März des Jahres 2003 aufgrund der These von Theodor Reik: Liebe als Begegnung mit einem erdachten Bilde
 
Literaturnachweise:
Reik, Theodor: Geschlecht und Liebe. Dt. Übertr. Von Irmgard Kutscher. Stuttgart: Klett, Verlag, 1950, S. 101 – 104.
 

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