Spezialgebiet in Latein 2007 von Thomas Doblhoff

Cicero
Marcus Tullius Cicero, der im Jahre 106 v. Chr. in Arpinium bei Latium geboren wurde gehörte dem Handelsadel an und hatte dadurch gute Vorraussetzungen politisch Karriere machen zu können.
Cicero studierte neben Recht, Rhetorik und Literatur auch noch Philosophie in Rom. Dieses Studium veranlasste ihn höchstwahrscheinlich dazu, im Jahre 79 v. Chr. eine Reise nach Athen zu unternehmen bei der er viele Anregungen im Bereich der Rhetorik und der Philosophie von den griechischen Rednern und Philosophen erhielt.
Cicero war zweimal verheiratet. Erst mit Terentia, mit der er zwei Kinder hatte, und kurze Zeit nach der Scheidung heiratete er im alter von 60 Jahren die noch nicht 20 Jährige Pupulia.

Cicero erreichte als erstes Mitglied seiner Familie alle Ämter des „cursus honorum“ (Quästor, Aedil, Praetor, Konsul) und galt dadurch als „homo novus“.
Die Vorraussetzungen um einen so erfolgreichen Weg im Senat einschlagen zu können waren zum einen militärische Erfolge und Beliebtheit beim Volk, zum anderen aber auch die stetige Präsents auf dem forum romanum, auf dem man sich auf Grund rhetorisch ausgefeilter Glanzreden hervor heben konnte.

Ciceros Tätigkeiten beschränkten sich im Jahre 65 v Chr. hautsächlich auf den Versuch Catilina als Verschwörer zu enttarnen und hinrichten zu lassen.
Catilina der im Jahre 65 sowie 63 v. Chr. auf das Amt als Konsul hoffte wurde beide Male enttäuscht. Ciceros „Hass“ gegen Catilina ist nicht nur auf diverse Verschwörungstheorien zurück zu führen, sondern auch darauf, dass Catilina zweimal versucht hat Cicero ermorden zu lassen. Beide Versuche konnten jedoch vereitelt werden. Cicero ließ daraufhin einige Mitglieder Catilinas Gruppe hinrichten.

Dies wurde jedoch zu seinem Verhängnis den als Caesar Crassus und Pompeius sich zu ihrem ersten Triumvirat zusammenschlossen entschieden sie Cicero auf Grund dieser „nicht rechtmäßigen“ Hinrichtungen zu verbannen.

In der Zeit seiner Verbannung verfasste er seine wichtigsten philosophischen Schriften, da er politisch keine Macht mehr ausüben konnte. (46-44 v. Chr.) Im Jahre 51 übernahm er die Verwaltung der Provinz Kilikien.

 
Nach Caesars Ermordung 44 v. Chr. unterstütze er Caesars Adoptivsohn Ovtavian, den späteren Kaiser Augustus, im politischen Machtkampf gegen den römischen Konsul Marc Anton. (14 Philippischen Reden)
Cicero wurde dadurch wenig später auf die Proskriptionslisten gesetzt und somit zur Hinrichtung freigegeben und 43 v. Chr. ermordet.

Rhetorik
Laus eloquentia – Lob der Redekunst
Cicero, de oratore I,  30;33-34 BS 6
 
De oratore wurde von Cicero 55 v. Chr. verfasst und ist ein fiktiver Dialog zwischen zwei der bedeutendsten Rednern dieser Zeit. Lucius Crassus und Marcus Antonius diskutieren in diesem Werk über den Beruf des Redners und über die Aufgaben die dieser zu bewältigen hatte.

Und nicht jedoch scheint es mir, dass irgendjemand herrlicher ist, als der Redner, der die Versammlungen der Menschen erfüllen kann, der den Geist für sich gewinnen kann, die Wünsche antreiben kann, wohin man sie auch hinführen will, aber auch woher man will: Diese eine Sache blühte besonders oft und herrschte oft in allen freien Völkern und am meisten in Staaten, die sich im Zustand des Friedens und der inneren Ruhe befinden.
Welche andere Kraft konnte entweder zerstreute Menschen zu einer Stelle zusammenrufen, oder von einem wilden und rohen Leben zu diesem Leben an menschlicher Kultur und Bürgerlichkeit zurückführen, oder auch die schon von Bürgern begründeten Gesetze, die Gerichtsverhandlungen, die das Recht vorschreiben?
 
Und nicht sehr viele, diese sind beinahe unzählige, führen es an, ich werde es kurz zusammenfassen: So nämlich meine ich, dass durch die Leitung und Weisheit des vollkommen Redners nicht alleine die Würde selbst, sondern auch die Gesundheit sehr vieler Einzelpersonen und die des ganzen Staates am meisten enthalten sein wird.
Deswegen fahret fort in dieser Sache, wie ihr es tut, ihr jungen Leute, und in diesem Studium, in dem ihr seid, konzentriert euch sowohl auf eure Ehre als auch auf den Nutzen der Freunde und ihr könnt im Vorteil des Staates sein.
 
In diesem Text werden der Redekunst klare Aufgaben zugeschrieben, die zum einen, einen wichtigen Beitrag des Wohlbefindens der einzelnen Personen, zum anderen dem Wohlbefinden des gesamten Staates leisten. Laut Cicero ist der Redner selbst verantwortlich dafür, Versammlungen der Menschen mit seinen Worten zu erfüllen; die Meinung der Leute für sich zu gewinnen; Wünsche hervor zu rufen, aber auch die Herkunft einiger Wünsche zu erklären.
Die Rhetorik hatte ihren Höhepunkt meist in Friedenszeiten, da die Menschen Zeit hatten sich solchen Dingen zu widmen und nicht um ihr tägliches Überleben kämpfen mussten. Weitere Aufgaben der Rhetorik waren Menschen an einer Stelle zusammenkommen zu lassen, aber auch Menschen, die vielleicht von der rechten Bahn abgekommen sind, mit gekonnter Überzeugungskraft wieder auf den richtigen Weg zurück zu führen. Aber natürlich auch die Verbreitung und Durchführung an Gesetzten so wie an Gerichtsverhandlungen waren in erster Linie Aufgaben der Redekünstler. Er weißt auch darauf hin, dass ein guter Redner nicht nur selbst würdig wird, sonder auch, wie bereits erwähnt, großen Beitrag zum Wohle des Staates leistet. Zum Schluss möchte er noch alle dazu auffordern die Redekunst gründlich zu studieren, und sich sowohl auf das eigene können und seine Ehre zu stützen, als auch Vorteile aus einflussreichen Freunden zu ziehen, um Vorteile in Staatsangelegenheiten genießen zu können.

Die Dreistillehre –Cicero, Orator 69-70 BS 18
Dieser war daher redegewandt, der auf dem Forum bei einem Zivilprozess so spricht, dass er überprüft, dass er unterhält, und dass er umstimmt.
Überprüfen ist eine Sache der Notwendigkeit, Unterhalten eine Sache des Charmes, und Umstimmen eine Sache des Sieges; nämlich dieses Eine bewirkt am meisten von allen um einen Prozess zu gewinnen. Aber so viele Aufgaben des Redners, sie alle sind auf die Arten zu Sprechen: die schlichte Art beim überprüfen, die gemäßigte Art beim Unterhalten, und die leidenschaftliche Art beim Umstimmen; in dieser einen steckt die ganze Kraft des Redners.
Auch der Lenker der höchsten Rednergabe, daher auch der höchsten Urteilskraft, wird daher auch der Ordner der in drei Teile geteilten Vielfalt sein müssen. Und daher wird er urteilen, was jeder nötig haben soll, und er wird sagen können, auf welche Weise er auch immer den Fall einfordert.

(70) Aber die Weißheit ist die Grundlage der Redekunst, gleichsam wie die der übrigen Sachen. Damit ist nämlich im Leben, so auch in der Rede nichts schwieriger als zu sehen, was sich gehören soll; Die Griechen nennen es „prepon“, wir werden es allerdings angemessen sagen; über dieses werden viele vortrefflichen Vorschriften gemacht und die Sache ist durch die Erkenntnis am angemessensten.
Durch deren Unkenntnis wird er nicht nur im Leben, sondern auch sowohl im Gedicht als auch in der Rede am öftesten einen Fehler begehen.
 
In diesem Text verweißt Cicero darauf, dass es auf die jeweilige Situation ankommt, welchen Redestil man zu wählen hat, und dass es einen guten Redner ausmacht, von Fall zu Fall verschiedene Stile zu benutzen.
Er unterscheidet im Groben in drei Stil Arten:
Dem Überprüfen, das vielleicht in der heutigen Zeit am ehesten Beiweißaufnahme entspricht, dem Unterhalten, und dem Umstimmen.
Klarer Weiße ist das Umstimmen in Gerichtsprozessen der ausschlaggebende Punkt um eine Verhandlung zu gewinnen, die übrigen Redestile sind Sachen der Notwendigkeit oder dienen der Belustigung des Volkes.
Das Stilisieren (elocutio) unterstützt natürlich das Gesagte und hilft dem Redner seine Absichten durch zu setzten. Es gibt im Allgemeinen drei Stilrichtungen:
 
1. genus humile – der einfache, schlichte Stil.
   Dieser Stil ist der Alltagssprache ähnlich und wir in erster Linie zum Belehren     und Beweisen genutzt, aber auch um einfache Mitteilungen zu machen.
 
2. genus medium- der mittlere Stil
   Hier wird schon begonnen auf die Ästhetik des Gesagten zu achten, um zu Unterhalten und auch um Sympathie zu gewinnen. Jedoch wirkt dieser Stil noch lange nicht so fesselnd wie der:
 
3. genus grande – der hohe, erhabene Stil
   bei dem alle nur denkbaren Stilmittel und Ausschmückungen verwendet werden um in erster Linie mit zu reißen und um zu stimmen.

Laut Cicero macht niemand so viele Fehler, ob im Leben oder auch im Gedicht und der Rede wie der, der nicht den angemessenen Stil wählt.

Wie spricht man „angemessen“?
Cicero, De oratore III, 210-211 BS 20
Die Praxis aber ist am schwierigsten und am wichtigsten in dieser ganzen Redekunst. Deshalb wollen wir sehen, was angemessen ist, das heißt was sich am meisten in der Rede gehört. Doch dieses ist jedenfalls klar, dass nicht für alle Fälle, nicht für Zuhörer weder für die Rolle noch für die Zeit eine Art der Rede passt. Denn der Kapitalprozess erfordert nämlich einen anderen gewissen Ton der Worte, einen anderen der Zivilprozess und auch Bagatellprozesse.
Eine Art verlangt die beratenden Reden, eine andere die Lobreden, andere die Gerichtsreden, andere die Unterhaltungsreden, andere Trostreden, weitere ein Schelte, ein weiterer einen Streit, und wieder ein anderer verlangt einen geschichtlichen Bericht.
Es kommt auch darauf an, wer zuhören soll (ob der Senat oder das Volk oder die Richter oder Viele oder Wenige oder Einer); und die Redner selbst, von welchem Alter sie sind von welcher Ehre und von welchem Ansehen. Die Zeit muss gesehen werden: Im Krieg oder im Frieden in der Zeitnot oder in der Muße.
Dieser Text ist im Allgemeinen eine nähere Erläuterung der Dreistilrede, und in welcher Situation man von welchem Stil gebrauch machen soll.
Cicero sagt dass die Praxis des Redens das schwierigste aber auch das wichtigste an dieser Arbeit ist, und auch dass nicht für jede Zielgruppe und jede Situation jeder Stil geeignet ist.
Er erklärt dass der Kapitalprozess einen anderen Ton der Worte erfordert als andere Dinge. Und das es auch zu den Aufgaben des Redners gehört Lobreden halten zu können aber auch für Unterhaltung zu Sorgen, zu trösten aber auch zu lehren. Klarer Weiße ist auch die Wahl des Stils vom Zuhörer anhängig, sowie auch von der Beschaffenheit des Redners selbst.
 
Von der Bildung des perfekten Redners
Cicero, Orator 118-120 BS.22
Und nicht jedoch darf der perfekte Redner die dialektische Gesprächsführung einbauen, und er soll alle bekannten oder berührten Themen der Philosophie haben. Nicht nämlich über die Religion, nichts über den Tod, nichts über das Pflichtgefühl, nichts über den hohen Preis der Heimat, nichts über das Gute oder das Böse, nichts über die Tüchtigkeit oder die Fehler, nichts über den Dienst, nichts über den Schmerz, nichts über die Lust, nichts über den Affekt des Geistes und die Fehler, die die oft herabfallen in Fällen und nüchtern abgehandelt werden, nichts, sage ich, ohne diese Weisheit, was ich gesagt habe, man kann es nur schwerer, reichlicher und bedeutsamer sagen und erklären.
(119) Ich will gewiss nicht, dass der Redner der Naturphilosophie unerfahren ist.
Tatsächlich alle, als er sich von den himmlischen Sachen zurückgezogen hatte zu den Menschen, solle er höher und großartiger sowohl sprechen als auch fühlen.
(120) Und als er jene heilige Schrift erkannte, will ich, dass er auch genau Bescheid weiß über die Menschen. Er soll das Bürgerrecht halten, in dem die Gerichtsprozesse täglich Not leiden. Was ist nämlich schändlicher als die Mandate der Streitereien der Bürger und die, die die Gesetzte betreffen zu übernehmen, wenn der das Gesetz des bürgerlichen Rechts nicht kennt?
Er soll auch die Ordnung der Taten und der ehemaligen Erinnerungen erkennen, am meisten kann man die unserer Bürger sehen, aber auch die des machtvollen Volkes und die der erleuchteten Könige.
Aber nicht zu wissen, was er angenommen hat, als er geboren wurde, das heißt, dass er immer ein Knabe ist.
Was nämlich ist das Alter des Menschen, wenn nicht diese Erinnerungen der alten Dinge verwoben werden mit dem Alter des oberen?
Aber die Erwähnung des Altertums und des Beispiels tragen das Vortragen mit höchstem Genuss sowohl das Ansehen als auch das Vertrauen der Rede.
 
Cicero behandelt in diesem Text die Frage ob die Redekunst etwas Erlernbares ist, oder ob es sich dabei nur um die Nutzung angeborener Talente handelt.
Auch weißt er darauf hin, dass es in der Rede absolut verboten ist, im Dialekt zu sprechen, da dadurch klarer Weise die Ernsthaftigkeit und die Autorität des Redners beeinträchtigt ist.
 
Als Bildungsgrundlage wählt Cicero hier in erster Linie die allgemeinen und berühmten Themen der Philosophie, aber natürlich auch geschichtliches Grundwissen, so wie auch die Kenntnis der des Rechtbegriffes sind ausschlaggebende Faktoren um ein perfekter Redner zu sein.
Denn so schreibt er, dass er das Bürgerrecht kennen soll, da es seiner Meinung nach nichts schändlicheres gibt, als einen Fall zu übernehmen ohne die Rechtslage beziehungsweise die Gesetzte zu kennen.
 
Auch soll der Redner sich stets über bereits Geschehenes im Klaren sein, wie zum Beispiel Taten des Machtvollen Volkes sowie einiger wichtiger Könige.
(damit wird jetzt wohl die Grundlage an geschichtlichem Wissen gemeint sein.)
Auch solle sich ein Redner seiner Gabe und seiner Aufgabe immer bewusst sein, denn so meint er dass ein Redner der sich seiner Sache nicht bewusst ist noch immer ein Kind ist, solange er seine Aufgabe nicht anerkennt.
 
 
Natürlich ist die Rhetorik nicht immer nur für gute Zwecke genutzt worden, Manipulation und Propaganda, wenn sie im negativen Sinn gemeint sind, haben schon des Öfteren großen Schaden angerichtet, und führten schon oft zu der Veränderung der Moralvorstellungen (ein extremes Beispiel dafür ist sicherlich die Propaganda im dritten Reich).
Derjenige der sich nicht für die Künste der Rhetorik interessiert und diese verachtet, und somit nicht die Tricks und Techniken gekonnter Redekünstler zu deuten weißt, ist in den meisten Fällen einer der ersten Opfer dieser negativen Art der Rhetorik.
 
In Verrem
Gaius Verres war etwa zehn Jahre älter als Cicero und verwaltete in der Zeit von 73-71 v. Chr. als Stadthalter die Provinz Sizilien. Während dieser zeit muss er eine ungeheuerliche Schreckensherrschaft geführt haben und die Bürger dieser Provinz aufs übelste Ausgebeutet haben. Aber er vergriff sich nicht nur an einzelnen Personen und bestahl sie, sonder bereicherte sich auch an öffentlichen Kunstschätzen im ganz großen Stil. Der Wert wird mit ca. 40 Mio. Sesterzen (umgerechnet ungefähr 45 000 Tonnen Silber) angegeben.
 
Cicero war damals ein aufstrebender Anwalt in Rom und wurde gebeten die Anklage im Namen der Provinz zu übernehmen. Obwohl Ankläger zu sein keine sehr ruhmreiche Aufgabe war, übernahm er sie dennoch, da er sich große Erfolge auf politischer und persönlicher Ebene erhoffte.
 
Im Jahre 70 v. Chr. reichte Cicero die Klage de repetundis (Rückforderung geraubten Gutes) ein. Doch anfangs erwies sich der Prozess als äußerst schwierig, da Verres und seine Leute mit nur allen denkbaren Tricks versuchten den Prozess in die Länge zu ziehen, und über Strohmänner Scheinprozesse führte, durch die die eigentliche Anklage hinausgezögert werden sollte.
 
Cicero forderte eine Frist von 110 Tagen um die Beweislage gründlich zu untersuchen, und sammelte Informationen sowohl in Rom als auch in Sizilien selbst. Nach dem Ablaufen dieser Frist kam er, gerade noch pünktlich zu Beginn des Prozesses nach Rom, da er mit einigen Listen, die höchstwahrscheinlich von Verres in die Wege geleitet wurden, zu kämpfen hatte.
Am 5. August 70 begann dann schließlich der Repetundenprozess, bei dem das Beweismaterial in einer Erstverhandlung (actio prima) und einer Zweitverhandlung (actio secunda) vorgeführt werden musste.
 
Cicero überraschte alle mit einem neuen juristischen Trick, indem er auf ein groß angelegtes Plädoyer verzichtete und sofort eine große Anzahl an Zeugen aussagen ließ. Dieser Erdrückenden Beweislage hatte der Anwalt Verres´, Hortensius nicht entgegen zu bringen.
 
Verres verließ auf den Rat seines Anwalts freiwillig  Rom und legte sein Amt als Stadthalter nieder, um sich mit all seinen Schätzen ins Exil nach Massilia zu begeben.
 
Somit musste die actio secunda gar nicht mehr stattfinden, und Cicero wurde nicht mehr die Möglichkeit gegeben mit ausgefeilten Reden zu glänzen.
Trotzdem veröffentlichte er die Reden gegen Verres der actio secunda als eine Art Dokumentation in fünf Büchern.
 
Die Bücher im Einzelnen:
 
  1. Buch: Hier zeigt Cicero alle bösen Charakterzuge des Verres und verweißt auf seine kiminelle Laufbahn
  2. Buch: Cicero wirft ihm Urkundenfälschung und den Missbrauch seines Amtes vor.
  3. Buch: Verres wird im allgemeinen Steuerhinterziehung vorgeworfen.
  4. Buch: Hier werden seine Raubtaten im Einzelnen genau beschrieben, und seine Sammelwut an wertvollen Kunstschätzen in Frage gestellt.
  5. Buch: Cicero wirft nicht nur eine Komplizenschaft mit Seeräubern vor, sonder auch die Misshandlung römischer Bürger und unstandesgemäße Form der Amtshandlungen.
Sizilien hat mich erwählt
Divinatium in Q Caecilium 19 BS 28
Wenn ganz Sizilien durch eine Stimme sprechen würde, würde diese sagen:
„Was von dem Gold, was von dem Silber, was von dem ganzen Schmuck in meinen Städte, in der herrschaftlichen Villa oder in den Tempeln war was ich an Recht hatte jeder einzelnen Sache durch das Wohlwollen des Senats und des römischen Volks, dieses hast du C. Verres, mir entrissen oder weggetragen. Ich fordere von dir durch den Rechtsbegriff 100 Millionen Sesterzen durch das Gesetz.
Wenn die ganze Provinz, wie gesagt, gesprochen hätte können, würde sie sich durch diese Stimme bedienen. Da sie dies nun einmal nicht gekonnt hatte, wählte sie den Rechtsvertreter dieser Sache selbst, den sie geeignet zu sein hält.
 
Cicero stellt sich klar als Vertreter der gesamten Provinz dar, und meint, dass er dazu auserkoren wurde da er den Sizilianern als am geeignetsten erscheint, ihre Interessen zu vertreten. Auch gibt er einen kurzen Einblick in das, was Verres verbrochen hat, er spricht von gestohlenen Schätzen und von geraubten Rechten, damit zeigt Cicero gleich zu beginn, dass er sich mit dem Fall gründlich auseinandergesetzt hat, und dies führt nun auch dazu, dass die Bewohner ihn als angeriert und vorbereitet einstufen.
Auch fordert er sofort am Anfang eine Entschädigungzahlung.

Ermittlungen vor Ort
Pro Scauro 24-26 BS 29
Trugen die Sizilianer den Fall Siziliens etwa nicht nach Rom zu mir herab?
Aber was für Menschen! Die Rechtsgelehrten klug von Natur aus, waren erfahren durch die Praxis, und fein gebildet durch Belehrung.
Aber ich glaube den Fall der Provinz in der Provinz selbst ermitteln zu müssen und recherchieren zu müssen. Aber würde ich die Klagen oder Unrechte der Landmänner nicht auf den Saatfeldern selbst oder auf den Äckern erkennen?
Ich durchwanderte, sage ich, gewiss durch den kältesten Winter die Täler oder Hügel Agrigentiums. Jenes vornehmste und fruchtbarste Feld lehrte mich fast von alleine den Fall Leontinus. Ich ging zu den Hütten der Landmänner, und die Menschen besprachen sich vom Pflug weg mit mir. Daher wurde der Fall von mir so plastisch dargestellt, nicht wie man dieses nur hört, was ich sagte, sondern die Richter schienen, dass zu unterscheiden und fast schon zu berühren.
Es schien mir nämlich weder akzeptabel, noch recht und billig, den Rechtsfall in meinem Schlafzimmer vorzubereiten, gleich wie den Fall eines einzigen Klienten, nachdem ich den Schutz des Patrons der treuesten oder ältesten Provinz aufgenommen hatte,

Mit Hilfe dieser Rede erzeugt Cicero erneut das Gefühl, dass er äußerst angeriert ist. Er erzählt wie genau er sich mit all seinen Klienten auseinandergesetzt hat, fast so als hätte jeden Einzelnen Bürger befragt.
Auch vermittelt er den Eindruck als scheue er keine Mühen um so genau wie möglich zu ermitteln. So meint er, dass er durch den kältesten Winter schreiten musste, und auf Feldern arbeitende Bewohner befragen musste. Auch zeigt er einen enormen Aufwand was die Vorbereitung betrifft. Er meint, dass sein Schlafzimmer nicht würdig genug sei, um den Fall darin zu bearbeiten, da er einen Prozess diesen Ausmaßes nicht vorbereiten kann wie den, eines Einzelnen.
 
Fünf Jahre später
In Verrem 2,3,47 BS 29
Denn nachdem ich nach dem Ablauf dieser vier Jahre nach Sizilien gekommen bin, so schien es mir heruntergekommen, wie diese Länder es zu sein pflegen, in denen der bittere und lang andauernde Krieg wütete.
Ich sah früher diese üppigen Felder und diese grünen Hügel, nun sah ich diese so leer, und im Stich gelassen. Es scheint, dass das Feld selbst sich die Kultur wünscht und dem Hausherren nachweint. Das Feld um Herbita, und Henna, Morgantina Assorus, Imachara und Agyrium ist zu einem größten Teil so zurückgelassen worden, dass ich nicht nur das Gespann suchen, sondern auch die große Anzahl der Hausherren.
Das Land um den Ätna jedoch, das es pflegte am aller bebautesten zu sein, und das das Zentrum des Getreideanbaus ist, das Feld zu Leontinoi- dessen Art zuvor diese war, dass, als man gesät hätte, keine Teuerung des Getreides befürchten müsste – so war es gestaltlos und schmucklos, dass ich im fruchtbarsten Teil Siziliens Sizilien suchte; das vorletzte Jahr hatte nämlich schon heftiger die Landmänner erschüttert, jedoch letztes Jahr hatte alles vernichtet.

Cicero muss fünf Jahre bevor der Prozess begann, also 75 v. Chr. schon einmal in Sizilien gewesen sein, und dieses als sehr fruchtbar und wunderschön in Erinnerung haben. Nun nach der Herrschaft des Verres scheint es heruntergekommen und verwahrlost wie Länder die sich im Kriegszustand befinden. Früher hat es in Sizilien, das auch als die Brotkammer des römischen Reiches bezeichnet wurde, anscheinend keinerlei Probleme mit der Getreideproduktion gegeben, doch seit der Schreckensherrschaft des Stadthalters wurden die Ernte und die Bauern schwer erschüttert.

„Kunstfreund“ Verres
Sammelwut oder Plünderung? 2,4,1 BS 33
Ich komme nun zu diesem, wie er es selbst auch nennt, Hobby, wie seine Freunde, krankhafte Raserei, wie die Sizilianer es Raubzug nennen, mit welchem Namen ich es bezeichnen soll, weiß ich nicht; Ich werde euch die Sache vorlegen: Ihr sollt sie dann nach dem wahren Gewicht wägen, nicht nach dem Namen. Betrachtet zuerst den Tatbestand selbst, Richter, dann werdet ihr vielleicht nicht so sehr danach suchen, durch welchen Namen dies genannt werden muss, wie ihr meint. Ich behaupte, dass es in ganz Sizilien, in der so reichen und der so alten Provinz, in allen alten Städten und allen so wohlhabenden Familien nicht ein goldenes Gefäß gibt, kein Gefäß aus Korinth oder ein Gefäß von der Insel Delos gegeben hat, keinen Edelstein oder eine Perle, auch nicht sind sie aus Gold oder Elfenbein gemacht, keine Plastik aus Bronze, Marmor oder Elfenbein, ich behaupte, dass es kein Bildnis gibt weder auf Holztafel noch auf Leinwand, welches er nicht aufspürt, betrachtet, und wenn es ihm gefiel, weggetragen hätte.

Ich scheine groß zu sagen: Auch gebt Acht, wie ich sprechen werde. Nicht einmal die Rede oder die Vorwürfe bausche ich auf, ich ergreife alle Fälle: wenn ich sage, dass dieser nichts von seiner Art Sachen in der ganzen Provinz zurücklassen hatte, dann versteht mich auf gut Latein, dass ich nicht in der Sprache des Anklägers rede. Noch deutlicher: nichts hat er in einem Tempel von irgendwem, nicht einmal in einem gewissen Haus des Gastes, nichts hat er in den Gemeinschaftsorten, nicht einmal in einem Heiligtum, nichts bei den Sizilianern, nichts bei den römischen Bürgern, mit einem Wort, nichts hat der da, was ihm vor Augen und in den Sinn kommt, weder an Privatem, noch an Öffentlichem noch an Ungeweihtem, oder an heiligem in ganz Sizilien zurückgelassen.
 
Cicero bittet hier die Richter indirekt Objektiv zu bleiben, und sich selbst ein Bild der Situation zu machen. Doch dadurch, dass er es erwähnt, wie einige dieses „Hobby“ nennen, nämlich krankhafte Raserei oder sogar Raubzug, nimmt er den Richtern schon hier gekonnt ihre Objektivität.
Er zählt einige Kunstschätze, in erster Linie aus privater Hand auf, und meint, dass Verres sich, so sie ihm gefielen, alle diese einverleibt hätte. Er weist noch einmal darauf hin, dass er darauf bedacht ist nicht zu übertreiben und die Rede nicht auf zu bauschen.
Den letzten Satz könnte man auch so interpretieren:“ Nichts war ihm heilig!“, weder nahm er Rücksicht auf Privates, auf Öffentliches, auf Heiliges oder Ungeweihtes.
 
Das schönste Haus von Messena
(2,4,3-5,7) BS 34
C. Heius ist ein Mamertiner das werden mir alle leicht zugeben, die in Messena schon einmal gewesen sind- der in allen Sachen sehr reich ausgestattet ist bei den Bürgern. Dessen Haus ist vielleicht das Beste in Messena, sicherlich jedenfalls das bekannteste und für unsere Landsleute immer offen und gastfreundlich. Dieses Haus war vor der Ankunft dessen so ausgerüstet, dass es der Stadt auch als Schmuck diente, nämlich Messena selbst, durch dessen Stellung, durch Mauern und durch den Hafen ist es geschmückt gewesen, von diesen Sachen, die den da erfreuen, ist die Stadt vollkommen leer und auch nackt.
Es gab bei Heius eine Sakrestei, mit großer Sorgfalt in seinem Haus, von Vorfahren übergeben, sehr alt, in der vier sehr schöne Plastiken waren, von größter Kunstfertigkeit und größter Bekanntheit, die auf keine Weise den kunstsinnigen und kunstverständigen Mann da, sondern auch jeden von uns, den der da Laien nennt, begeistern könnte: zuerst der Cubido aus Marmor des Künstlers Praxiteles…freilich habe ich mir auch, während ich Material sammle gegen den da, die Namen der Künstler gemerkt. Der selbe Künstler hat, vermute ich einen Cupido der selben Art gemacht, der in Thespien ist, und wegen dem Thespien gewünscht wird zu sehen; nämlich andere Gründe es zu sehen gibt es nicht. Aber jener berücksichtigte L. Mummius, mit Musenstatuen, die nun in Rom sind, und alle übrigen ungeweihten Zeichen aus jener Stadt davontrug, diesen Cubidus aus Marmor, der geweiht worden war, rührte er nicht an. Um aber auf jene Sakrestei zurück zu kommen: sie hatte dieses Zeichen, von dem ich spreche, ein Cubidus aus Marmor; Hercules war besonders gut gemacht aus Bronze auf der anderen Seite. Man sagt, dass dieser ein Werk des Myron sein, wie ich vermute –und so ist es auch. Ebenso waren vor diesen Göttern Altäre, die alle möglichen Religionen der Sakrestei zeigen konnten. Schließlich waren zwei Zeichen aus Bronze, nicht am größten, aber von besonderer Schönheit, und auch durch Kleidung lang gewandet, die durch die Hände gebrachten Opferkörbe wurden empor gehalten auf die Weise der Mädchen von Athen auf den Kopf gestützt. Kopfträgerinnen wurden sie selbst genannt; aber als den Künstler dieser – wen? Wen soll ich nennen? Richtig sagst du ein- sie sagten es sei Polyciles. Wie einer von uns nach Messena gekommen war, pflegte er diese Werke zu besichtigen; diese Werke standen offen für alle zum Besichtigen jeden Tag. Das Haus war dem Herrn nicht mehr zur Zierde als für die Bürger. All diese Werke, über die ich sprach, Richter, hat Verres von Heius aus der Sakrestei davon getragen.
 
In diesem Beispiel wirft Cicero Verres vor, zwar eigentlich einen Privatmann, nämlich C. Heius bestohlen zu haben, aber da dessen Haus als Zierde der gesamten Stadt galt, und für all ihre Bürger regelmäßig geöffnet war, auch die Bevölkerung bestohlen zu haben. Ein Großer Teil dieser Rede bezieht sich auf das Aufzählen von Kunstschätzen und ihren Künstlern, dieser rhetorische Trick wird zur Folge gehabt haben, dass den Richtern durch langes Aufzählen bewusst gemacht wird, um wie viele Kunstschätze es sich alleine in diesem einen Haus gehandelt hat. Auch interessant ist, dass obwohl die vierte Rede ja nie gehalten wurde, stellt Cicero schriftlich einen fiktiven Dialog zwischen ihm und dem Publikum dar; das zeigt sich in der Interrogatio die den Künstler einer der Werke betrifft. Auch möchte er darauf hinweisen, dass es sich dabei nicht nur um irgendwelche Kunstwerke gehandelt hat, durch die Kenner beeindruckt werden, sonder dass auch Außenstehende von der Schönheit überwältigt worden wären.

Die Diana von Segesta (2,4,72-76) BS 68 ff.
So hat er sich in dieser Provinz drei Jahre lang aufgeführt, dass der Eindruck entstehen musste, dass von diesem nicht allein den Menschen, sondern auch den unsterblichen Göttern der Krieg erklärt wurde. Segesta ist eine sehr alte Stadt in Sizilien, Richter; man legt dar, dass diese Stadt von Äneas aus Troja flüchtend und an diese Stelle hier kommend gegründet worden war. Daher meinen die Bewohner von Segesta, nicht nur durch lang anhaltende Gesellschaft und Freundschaft, sonder sogar durch Verwandtschaft mit dem römischen Volk verbunden zu sein. Einst wurde diese Stadt, als jene Bürger auf eigene Faust freiwillig mit den Puniern Krieg führten, von den Karthagern im Sturm eingenommen und zerstört, und alles, was die Stadt an Schmuck besessen hatte, ist aus diesem Gebiet nach Karthago fortgeschafft worden.
Es gab bei den Bewohnern von Segesta eine Statue der Diana aus Bronze, sowohl höchste und sehr alte Verehrung genießend, also auch ausgestattet durch einzigartige Kunstfertigkeit. Diese hatte beim Hinüberbringen nach Karthago nur die Stelle und die Menschen gewechselt, die Religion und den früheren Zustand behielt sie sicherlich bei, denn wegen der außerordentlichen Schönheit schien sie auch den Feinden würdig, sie im höchsten Maße zu verehren.

Im ersten Teil dieser Rede beginnt Cicero über die Bündnistreue zwischen der Stadt und dem römischen Volk zu schreiben. Auch einen kleinen geschichtlichen Einblick bekommt der Leser, der etwas mit der Gründungsgeschichte zu tun hat. Nämlich dass sogar Äneas einer der Gründerväter war, und sich nach seinen Irrfahrten in Segesta niedergelassen haben soll. Dadurch soll wahrscheinlich klargemacht werden welch eine wichtige Stadt Segesta war, und dass es dadurch noch furchtbarer ist sie zu bestehlen. Auch erzählt er kurz, dass nach der Niederlage der Segestaner gegen die Karthager eine Statue der Diana fortgeschafft worden war, die aber auf Grund ihrer Schönheit sogar von der Gegenseite verehrt wurde.
 
Einige Generationen später nahm Publius Scipio im dritten punischen Krieg Karthago ein. Im Zuge dieses Sieges- seht die Tapferkeit und die Sorgfalt des Mannes, und dass ihr euch an heimatlichen Beispielen so großartiger Tapferkeit erfreut und umso verabscheuungswürdiger die unglaubliche Verwegenheit von dem da findet! – lässt er alle Sikuler zusammenrufen, weil er wusste, dass Sizilien sehr oft und sehr lange von den Karthagern verheert wurde; befahl er, dass alles gesucht werde. Er versprach, es werde ihm ein großes Anliegen sein, dass jeder einzelnen Stadt, was einer jeden gehört hatte, wiedergegeben werde.
Da jene Schätze, die einst aus Himera entfernt worden waren, und über die ich zuvor gesprochen habe, den Einwohnern von Thermae zurückgegeben wurden, dann andere den Einwohnern von Cela, andere den Einwohnern von Agrigent, und auch jener vornehme Stier unter ihnen, den der fürchterlichste aller Tyrannen, Phalaris, es wird gesagt gehabt haben soll, zu dem er es pflegte Menschen lebend herabsteigen zu lassen und Feuer darunter anlegen ließ. Als Scipio diesen Stier den Bewohnern von Agrigent zurückgab, soll er gesagt haben, dass jene überdenken sollten ob es angemessen sei, was für die Agrigentiner vorteilhafter sei, den eigenen Leuten zu dienen, oder dem römischen Volk zu gehorchen, da sie das selbe Denkmal für die heimatliche Grausamkeit und unsere Milde hatten.
 
Zu jener Zeit wurde diese Diana selbst, über die wir sprechen, mit größter Sorge den Segestanern zurückgegeben; Sie wurde nach Segesta zurückgebracht; sie wurde wieder aufgestellt an ihrem alten Platz mit überschwänglicher Freude der Bürger. Diese war nun auf einem durchaus hohen Sockel aufgestellt worden in Segesta, auf dem mit großen Buchstaben der Name des Publius Africanus eingemeißelt geschrieben war, und dass dieser sie nach Annahme der Karthager zurückgeführt hatte. Sie ist von den Bürgern verehrt worden und von allen Fremden besichtigt worden; als ich Quästor war, wurde mir von jenen nichts Anderes früher gezeigt. Sie war äußerst stattlich und ein erhabenes Zeichen mit Stola; Aber trotz ihrer Größe war Kunst und das Verhalten eines jungen Mädchens in ihr; die Pfeile hingen herab von der Schulter, in der linken Hand hielt sie einen Bogen, in der Rechten trug sie eine brennende Fackel voran.

Auch im zweiten Teil bezieht sich der Autor in erster Linie auf die geschichtliche Erzählung der Stadt. Scipio wird als tapferer Feldherr dargestellt dem es ein Anliegen ist alle geraubten Kunstschätze wieder zurück zu erobern. Noch einmal berichtet Cicero über die Wichtigkeit dieser Statue, und dass sie das Bedeutendste in dieser Stadt ist…
 
Als dieser Feind und Räuber alles heiligen und religiösem sie erblickt hatte, wie wenn jene durch die Fackel selbst getroffen worden wäre, so begann er zu brennen durch Lust und Wahnsinn; er hatte den Beamten befohlen, dass sie diese herunternehmen und ihm geben sollen. Er gab zu verstehen, dass ihm nichts willkommener war. Jene aber sagten, dass dies für sie ein Frevel sein, und dass sie sowohl durch große Religionen als auch durch große Furcht vor dem Gesetz und dem Gericht gebunden seien. Zuerst erbat dieser da von jenen, dann drohte er, dann stellte er die Hoffnung, dann die furchtbaren Strafmaßnahmen vor Augen.
Jene hielten öfter den Namen Publius Africanus entgegen; sie sagten dieses sei Eigentum des römischen Volkes; sie haben keine Macht über das, was der berühmteste Feldherr nach der Einnahme der Stadt der Feinde als Denkmal des Sieges des römischen Volkes bestimmt habe.

Als der da um nichts nachgiebiger und auch noch viel heftiger darauf drängte jeden Tag, wurde die Sache beim Gemeinderat verhandelt: heftig wird von allen Widerspruch erhoben. Daher wird es zu dieser Zeit, und zuerst durch die Ankunft von dem da, abgewiesen. Später trug er den Segestaner, mehr als den Übrigen auf, alles was er anfordern musste an Last von Matrosen und Ruderern, und auch Anordnungen an Getreidelieferungen, um einiges mehr, als sie hätten bringen können. Außerdem lud er seine Beamten aus der Stadt vor und ließ jeweils den Besten und vornehmsten zu sich kommen, schleppte sie von einem Forum der Provinz zu nächsten, verkündete jedem einzelnen jeder Einzelne werde sich ins Übel stürzen, er drohte auch allen an, dass er jene Stadt von Grund auf vernichten werde.
Daher entschieden die Segestaner, dass sie letztlich dem Imperium gehorchen müssen, besiegt durch großes Übel und viel Furcht. Mit großer Trauer und Klage des gesamten Bürgertums, mit vielen Tränen und viel Gejammer aller Mädchen und Frauen wurde die Entfernung der Statue der Diana in Auftrag gegeben.

Erst im letzten Absatz dieser Rede wird auf den Diebstahl der Diana durch Verres eingegangen. Dadurch dass Verres die Beamten mit sich zu verschiedenen Foren schleppt vermittelt er das Bild, als ob es eine legitime Sache wäre die Statue zu entfernen. Doch als der Senat und die Bevölkerung seine „Bitte“ zurückweisen, beginnt er ihnen zu drohen, sie müssten erheblich größere Abgaben leisten, so große, das es die Stadt in den Ruin treiben würde.
Durch diese Androhungen eingeschüchtert gibt die Bevölkerung schließlich nach und überlässt ihm die Statue.

Die große Mutter
(2,4, 106-109)
Diese Meinung ist alt, Richter, sie wurde schon bezeugt in den ältesten Briefen und Monumenten der Griechen, dass die ganze Insel Sizilien der Ceres und der Libera geweiht sei. So glaubten es auch die übrigen Völker, aber die Sizilianer selbst sind so fest davon überzeugt, dass es scheint, es ist eingepflanzt und angeboren in ihrem Sinn. Sie glauben nämlich, dass sowohl diese Göttinnen an dieser Stelle geboren worden sind, als auch das der Ackerbau zum ersten Mal in diesem Land erfunden wurde, und auch, dass Libera geraubt wurde, die die anderen auch Proserpina nennen, aus einem Wald bei Henna; dieser Platz wird der Nabel Siziliens genannt, weil er in der Mitte der Insel gelegen ist. Als Ceres nach dieser forschen und suchen wollte, soll sie ihre Fackel entzündet habe, an den Feuern, die aus der Spitze des Ätna hervorbrechen;
 
Als sie selbst sich diese voran trug, soll sie den gesamten Erdkreis durchstriffen haben.
Henna aber, wo das über das ich spreche, sich zugetragen haben soll, ist auf einem weit ausragenden und exponierten Ort; auf dessen höchster Höhe ein Plateau ist und nie versiegendes Wasser; das gesamte Plateau jedoch ist von jedem Zugang aus ringsum steil abfallend. Um diese Stadt sind sehr viele Seen und Haine und herrlichste Blumen zu jeder Zeit des Jahres, sodass der Ort selbst die Geschichte von dem Raub des jungen Mädchens, die wir schon von Kindheit an vernommen haben, zu veranschaulichen scheint.
Nämlich in der Nähe gibt es eine gewisse Grotte gerichtet gegen Norden von unendlicher Tiefe; dort soll plötzlich Vater Dis mit seinem Wagen erschienen sein, und von dieser Stelle das verschleppte Mädchen weggeschafft haben und plötzlich nicht weit von Syrakus unter der Erde verschwunden sein und an dieser Stelle soll plötzlich ein Teich entstanden sein, wo auch bis in heutige Zeit die Bewohner von Syrakus jedes Jahr Festtage feiern unter zahlreicher Beteiligung von Männern und Frauen.

Cicero erzählt hier die Geschichte des Raubs der Proserpina sehr detailgetreu nach. Auch wählt er eine lokale Version des Mythos, und beschreibt auch die Beschaffenheit des Ortes an dem es sich zugetragen haben soll sehr genau.
Dadurch dass er die Bevölkerung erwähnt, und die Feste die sie regelmäßig an dem Ort des Geschehens feiern, erzeugt er sicherlich in jedem einzelnen Bürger ein Zughörigkeitsgefühl. Dadurch weckt er Gefühle auch bei Denjenigen, die sich vielleicht bis jetzt noch nicht mit dem Prozess auseinandergesetzt haben.

Wegen des Alters des Mythos, weil sie nämlich an dieser Stelle die Fußspuren und auch sogar fast die Windeln dieser Götter wieder fanden, ist eine gewisse Verehrung der Cera von Henna in ganz Sizilien privat und öffentlich auffallend.
Es offenbaren nämlich oft viele Wunder deren Kraft und den göttlichen Willen, oft wird in vielen sehr schwierigen Dingen die augenblickliche Hilfe dieser Götter gezeigt, und es scheint, dass diese Insel nicht nur von diesen geliebt wurde, sondern auch bewohnt und bewacht. Nicht nur die Sizilianer, auch die übrigen Völker und Nationen verehren die Ceres von Henna am meisten.
Denn wenn man die Mysterien der Athener aufsucht mit größter Begierde, zu denen Ceres gekommen sein soll nach ihrer Irrfahrt und das eben erwähnte und die Feldfrüchte gebracht haben soll, wie groß muss dann die Verehrung derer sein, bei denen sie sicherlich geboren wurde und den Getreidebau erfunden hat?
Daher wandte man sich zur Zeit unserer Väter in furchtbaren und für den Staat schwierigen Zeit, als nach der Ermordung Tiberius´ Graccho die Schrecknisse der großen Gefahr von Vorzeichen angekündigt wurden, unter den Kunsuln Publius Mucius und Lucius Calpurnio an die sybillischen Bücher.
Aus diesen fand man, dass es nötig sei, die älteste Ceres zu besänftigen. Da brachen die Priester aus den höchsten Amtsgenossenschaften der Dezemviren des römischen Volkes doch nach Henna auf (obwohl es in unserer Stadt den schönsten und prachtvollsten Tempel der Ceres gab).
Es war nämlich ein großes Ansehen und die lange Dauer der Verehrung, dass es schien, als sie dorthin gingen, nicht zu dem Gotteshaus der Ceres auf zu brechen, sondern zu Ceres selbst.

Ich will euch nicht länger behelligen. Ich fürchte nämlich schon lange, dass meine Rede abweicht von der üblichen Gerichtspraxis und der täglichen Redeart. Nur das eine sage ich noch: diese so altehrwürdige Ceres selbst, die verehrungswürdigste, das erste aller Heiligtümer, das bei allen Völkern und Nationen gemacht wurde, ist von C. Verres aus ihrem Heimattempel entfernt worden!
 
Cicero verweist im letzten Teil dieser Rede darauf, dass sich die stetige Präsenz der Götter in diesem Teil der Insel dadurch zeigt, dass es in äußerster Not zu kleinen Wundern kommen kann, und das Ceres nicht nur von den eigenen Landsläuten verehrt wird, sondern auch von übrigen Nationen und Völkern und dass, dieser Göttin ein ungeheuer großer Respekt entgegengebracht wird, denn sie zu verärgern führt zu großen Problemen.

Doch besonders Interessant zu sehen ist das quantitative Verhältnis der geschichtlichen Erzählung und der eigentlichen Aussage dieser Rede. Cicero baut durch seine ausführlichen Erzählungen und Erläuterungen die die Verehrung der Göttin betreffen eine große Spannung auf. Und wenn man weiß dass es sich bei dieser Rede um eine Gerichtsverhandlung handelt, wartet man sicherlich schon gespannt auf das Ende und auf die eigentliche Aussage.
Dadurch dass er, wie er auch selbst schreibt von der üblichen Gerichtspraxis abkommt, und eher die Aufgabe eines Lehrers und Geschichtenerzählers übernimmt, bekommt er eine völlig andere Ausstrahlung.
Auch Leute die sich mit der Materie der Rhetorik und der Prozessführung noch nicht befasst haben hören ihm sicherlich nach dieser langen Einleitung noch gebannt zu.
 
Dadurch dass er in einem einzigen Satz sagt, dass diese so wertvolle und kulturell so wie religiös wichtige Statue von Verres gestohlen wurde, hätte er sicher, wäre die Rede gehalten worden, für sehr viel Emotionen auf dem Forum gesorgt.
 
Quellenverzeichnis:
  • öbv&hpt Latein Lektüre aktiv- Cicero Reden
  • öbv&hpt Latein Lektüre aktiv- Ars Rhetorica
  • Orbis Latinus- Cicero-Reden Auswahl + Kommentar

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